Giftzwerg und Riesenbaby

Peter Stein inszeniert Eugène Labiches «Le Prix Martin» am Pariser Théâtre de l'Odéon

Theater heute - Logo

Monsieur Martin weiß es: Zur Sünde wird Genuss erst durch die Reue. Deshalb erfindet er seinen Preis: «Le Prix Martin», die pure Rache, gekleidet ins Gewand einer literarischen Auszeichnung. An der Académie française will er den Preis ausgelobt wissen, für die erfindungsreichste Abhandlung zum Thema «Über die Infamie, mit der Gattin des besten Freundes fremdzugehen.

» Just dem ist Monsieur Martin nämlich soeben auf die Schliche gekommen; Loïsa heißt die Gattin, Agénor der Hausfreund, Agénor Montgommier, um genau zu sein, was Martin ja ohnedies viel besser gefällt als der eigene Name («fast wie Montgommery! großes Haus … und Martin, wonach klingt das schon?»). – Zur Strafe muss Agénor nun den Wettbewerb ausrichten, und zwar auf eigene Kosten. Er dürfe selber teilnehmen, fügt Martin noch boshaft an.

Was er nicht weiß, ist, dass der lustlose Agénor seit Jahren einzig und allein eins im Kopf hat: Loïsa loszuwerden. Er hat sich so wohlig eingerichtet beim täglichen Kartenspiel mit Monsieur Martin, seit langem richtet sich seine Zuneigung weit mehr auf den Gatten als die Gattin. Oder einfach auf den friedvollen Alltagstrott, er ist ja auch nicht mehr der Jüngste. Aber wie jetzt wieder ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Andreas Klaeui

Weitere Beiträge
Auf und zu

Das Gerücht, das Theatertreffen habe sich in den letzten zehn Jahren grundstürzend geöffnet, hält sich hartnäckig. Es habe neuen Inhalten, veränderten Theaterformen oder innovativen ästhetischen Paradigmen den Weg wenn nicht bereitet, so doch geebnet. Stimmt schon, 2002 war zum ersten Mal René Pollesch eingeladen, im selben Jahr hat sich auch Meg Stuart mit ihrer...

Missbrauchte Floskeln

Ein Stück für Musik, nicht mit Musik, nennt sich Händl Klaus’ neuestes Werk «Gabe/Gift». Ein Stück für Sprachmusik. Händl Klaus, der Spezialist für das absichtsvoll Unheimliche unter den gegenwärtigen deutschen Theaterautoren, ist auch ein Sprachtüftler. Er erfindet eine Familiensprache – kein Dialog, ein gemeinsamer Monolog mit verteilten Silben. Eine Replik ist...

Blättern statt Klicken

Sie knistert verheißungsvoll bei jeder Berührung, braucht Raum – mindestens einen Sitzplatz in der U-Bahn, besser noch eine Ecke im Café –, um sich genüsslich aufzublättern und verströmt das unvergleichliche Aroma von frischem Papier, Druckerschwärze und gut gewürzter Geistesnahrung. Bei den Kindern der Post-Gutenberg-Ära könnte eine derartige Beschreibung bald nur...