Unglückliche Unsympathen
Der Kulturjournalist ist frustriert. Eigentlich ist Jostein nämlich Polizei -reporter, nun wurde er abgeschoben – zu «Kunst und Kultur». Da muss er jetzt von der Umwandlung eines Schwimmbades in ein Kulturzentrum berichten, und was sieht er da? «Experimentelles Theater», spuckt er voller Verachtung aus. Samuel Weiss spielt diesen Jostein an der Grenze zur Karikatur: mit zu großer Pilotenbrille, zu enger Kunstlederjacke, lächerlichem Bärtchen, schütterem Haar. Scheiße am Ärmel der Kunst.
Wobei man seine Verachtung freilich ein wenig versteht – die Malerin (Sasha Rau), von Jostein denkbar unmotiviert interviewt, erweist sich tatsächlich als Dumpfbacke erster Güte. Wenigstens lässt sie sich vom Journalisten am Ende ins Bett quatschen.
Jostein ist einer der unglücklichen Unsympathen, die Karl Ove Knausgårds Roman «Der Morgenstern» bevölkern, ein 900 Seiten dickes Gesellschaftspanorama aus der norwegischen Provinzmetropole Bergen, das Viktor Bodó als hoch unterhaltsames, ästhetisch nah am Film gebautes Tableau auf die Bühne des Hamburger Schauspielhauses bringt. Eine Hitzeglocke hängt über der Stadt, unerklärliche Naturphänomene treten auf, und eines Nachts erscheint ein unbekannter ...
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Theater heute Juli 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Falk Schreiber
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