Gesten der Gewalt

Das Impulse Theater Festival 2019 inszeniert erneut Grenzen und Gegensätze, Abstürze und Aufschwünge im Spannungsfeld zwischen Kunst und Politik

Es ist Selfie-Zeit im toxischen Museumsshop hinter der Bühne.

Der Zuschauer, Sektglas in der Hand, kann entscheiden: Will er vor der Fotowand als vietnamesischer Zivilist po­sieren, der gerade vom Polizeichef erschossen wird? Oder in einer niedlichen Schneekugel echten syrischen Trümmer­regen mit nach Hause nehmen? Den «kraftvollen» Marsch­flug­körper in Kleinformat kaufen? Der in Amsterdam lebende deutsche Künstler Julian Hetzel lotet in «All inclusive» Tabus der Kunst aus: Wie weit ist Gewalt ästhetisierbar? Und wie würden diese Frage Kriegstraumatisierte aus Syrien beantworten?

Doch nochmal von vorn. Eigentlich beginnt es ganz harmlos, wenn die Performer Edoardo Ripani und Geert Belpaeme auf der Bühne ikoni­sche Kriegsfotografien reenacten: Robert Capas «Fallenden Soldaten» aus dem Spanischen Bürgerkrieg oder jenes Hinrichtungsfoto von Eddie Adams, das den Vietnamkrieg beendete. Immer wieder wiederholen sie die Posen, bis sie im popkulturellen Zitat-Tanz zu hartem HipHop zucken. Und dann kommt Kristien de Proost ins Spiel: Als Kuratorin führt sie reale Geflüchtete, gecastet in Düsseldorf, über die Bühne. Mit eurozentristischer Arroganz bringt sie den Neuankömmlingen jenen ...

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Theater heute August/September 2019
Rubrik: Festivals, Seite 17
von Dorothea Marcus