Hamburg: Hippies im Ural
Das Woodstock-Musikfestival vom August 1969 ist schwer zu fassen, zumal für einen Nachgeborenen. Hippie-Feier, Manifestation der US-Gegenkultur, Protest gegen den Vietnamkrieg, schon klar: «An Aquarius Exhibition – Three Days of Peace and Music».
Aber Woodstock ist eben auch die Keimzelle einer durchkommerzialisierten Entertainment-Industrie, die in die Abgründe von Nachfolgefestivals führte, bis zum «Woodstock III»-Nachfolger 1999 als Ausdruck der maskulinistischen Fratboy-Kultur, inklusive einer Vergewaltigung direkt vor der Bühne und einem Auftritt des späteren Donald-Trump-Unterstützers Kid Rock.
Auch die russische Theatermacherin Marina Davydova war vor 50 Jahren noch nicht im Festivalalter, entsprechend verweigert sie für ihre Kooperation zwischen Hamburger Thalia Theater, National Drama Theater Vilnius und Gogol Center Moskau eine klare Positionierung zu Woodstock und kreiert stattdessen eine abstruse Situation: In Moskau wird auf Anweisung Wladimir Putins ein Hippie-Museum namens «Checkpoint Woodstock» eröffnet. Ein Kellner (Girish Kumar Rachappa) serviert Drinks, ein Pianist (Vladimir Rannev) klimpert «Yesterday», ein Soldat (Jarryd Haynes) patrouilliert. Und ...
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Theater heute August/September 2019
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Falk Schreiber
In den letzten drei Jahrzehnten seines Lebens war der 1937 in Wien geborene Schauspieler Peter Matic Mitglied des Burgtheaterensembles, er erhielt den Titel Kammerschauspieler, den Nestroy-Theaterpreis und das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, gastierte gelegentlich auch wieder an seiner Anfängerbühne Theater in der Josefstadt, an der Volksoper Wien...
11. März 2004: In Madrid ist es 7.39 Uhr, als die erste Bombe hochgeht. Neun weitere Detonationen folgen: in vier Vorortzügen, in denen dicht gedrängt Pendler zur Arbeit, Kinder zur Schule und Studierende zur Uni fahren. 191 Menschenleben forderte das Attentat. Noch Jahre danach wird ein Vater immer wieder die Bahnstrecke abfahren, in der Hoffnung, seine Tochter...
Natürlich sind die Themen, die das Theater seit geraumer Zeit neben seinem künstlerischen und literarischen Auftrag so heftig umtreiben und aufreiben, auch längst beim und im Bühnenverein angekommen. Auf den geduldigen Papieren, die am Ende der letzten Jahrestagung in Nürnberg verteilt wurden, wimmelte es denn auch nur so von ehrlichen Absichtserklärungen, mutigen...
