Geschichten über die Geschichte
«Rote Schuhe für den Sterbenden Schwan». Was ist damit gemeint? Ralf Stabel, Leiter der Staatlichen Ballettschule Berlin, nennt es im Untertitel seines bei Henschel erschienenen Buches: eine Tanzgeschichte in Geschichten. Er suggeriert Unterhaltung, lebendige Vermittlung von trockener Historie. Anschaulich schreiben kann er. Bisweilen wird er sogar witzig, erhalten seine Zusammenfassungen von Handlungen romantisch-klassischer Ballette mit eingeschobenen Kommentaren eine feine kabarettistische Note.
Stabel wagt eine Tour d’Horizon, spannt seine Geschichte(n) von den Totentänzen des Mittelalters bis zum Konzepttanz der Gegenwart. Dabei versucht er durch die Hintertür grundlegende Überlegungen zur Ästhetik einzuflechten, zu den Komponenten eines Tanzwerks, zu Produktions- und Rezeptionsbedingungen, zum sozialen Stand des Tänzerberufs. So ließe sich durchaus eine Tanzgeschichte für eine breite Leserschaft aufziehen. Doch dafür hat Stabel das Netz seiner Episoden nicht engmaschig genug gesponnen, fällt zu viel unter den Tisch. Er breitet zudem seine durch frühere Veröffentlichungen hinreichend belegten Spezialkenntnisse unverhältnismäßig aus, nämlich zum Ausdruckstanz um Gret Palucca ...
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gibt im epodium Verlag mit Nicole Haitzinger eine neue Zeitschrift heraus: «Tanz & Archiv: Forschungsreisen». Opulent von Barbara Wais gestaltet, arbeitet sich die Tanzwissenschaft an den Sammlungen der 1978 gestorbenen Kritikerin und Pädagogin Friderica Derra de Moroda ab, die ihre Privatsammlung der Universität Salzburg vermachte. «Biografik» heißt die jüngste...
Es gibt Worte, denen im Lauf der Zeit ihre Entsprechung in der Realität abhanden kommen. Der Begriff «Aura» ist so einer. Wer benutzt ihn noch? Dabei trifft er auf eine Tänzerin weiterhin zu: Riki von Falken, 56 Jahre alt. In ihrer jüngsten Produktion «The Geometry of Separation» zeigt sie erneut, was in strenger Konzentration auf die eigenen Interessen und im...
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