Generation Ego-Shooter?
Etwas vom Äpfel-und-Birnen-Vergleich haf-tet dem Körber Studio Junge Regie in der Gaußstraße in Hamburg jedes Jahr an: Die Performance-Brutstätten Hildesheim und Gießen und beispielsweise das Salzburger Mozarteum mit seinem klassischen Schauspielbegriff liegen in ihrem Selbstverständnis auf denkbar weit entfernten Theaterplaneten – die sich dieses Jahr mehr denn je aufeinander zu bewegten.
Denn ob diskurserprobtes Reflektionstheater oder in Figuren aufgehendes Repräsentationsspiel – ein gemeinsamer Nenner einte den Großteil der zwölf angetretenen Produktionen einer jungen Generation, die sich in einem der zahlreichen Gespräche selbst als «Ego-Shooter» bezeichnete: ein hohes Maß an Selbstreferenzialität. Katharina Cromme von der Zürcher Hochschule der Künste brachte die allgegenwärtige Reflektion der Mittel unmittelbar ins Spiel: Beim von ihr selbst verfassten Text «Romantik ist ein Frauenporno» lief ein absurdes Regelwerk der Postdramatik als Leuchtschrift neben der Szene, während die Spielformen der ironischen Authentizität durchdekliniert wurden. Die Regeln gipfelten in der Regel, auf jeden Fall die Regel zu brechen. Im zweiten Teil ihrer Arbeit wurde der Versuch, endlich doch ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Barbara Burckhardt
Theater heuteWir haben lange überlegt, von welcher Seite aus man die diesjährige Theatertreffenauswahl in die Mangel nehmen könnte, aber die Sache ist verdammt wasserdicht: 30 Prozent Frauenquote, 10 Prozent Türken, 30 Prozent Freie Szene, 30 Prozent neue Stücke, zweimal Osten, vier neue Gesichter. Da kann keiner meckern!
Vasco BoenischJa, es ist das Jahr der...
Nein, es ist keine Romanbearbeitung, mit der Michael Thalheimer seine erste Regie an der Berliner Schaubühne vorstellt. Der Großromancier Lew Tolstoi hat 1886 mit «Die Macht der Finsternis» ein veritables Drama, fünf Frauen, sechs Männer, um die Gier, das Geld und den Tod geschrieben. Sechs Jahre früher hat der sehr junge Kollege Tschechow seinen müden...
Drei Komödien von je drei Akten, mehrere Schauplätze (in Livorno im Haus der Bürger Filippo und Leonardo, im nahe gelegenen Landhaus in Montenero), viel Personal, noch mehr Kostüme – wie bringt man dieses Monstrum von einem Stück auf die Bühne? Spitzt man aufs Wesentliche zu, setzt man satirische Akzente und auf höllisches Tempo? Oder
geht man im Gegenteil...
