Geisterhaus der Geschichte
Im Roman ist der Gärtner das Bindeglied. Als stummer Gestalter kümmert er sich unbeirrbar um Bäume, Beete und Bienen auf dem Grundstück am Scharmützelsee, egal ob der Kaiser, die Republik, die Nazis, der Sozialismus oder im wiedervereinigten Deutschland gewählte Parteien das Sagen haben. Auch im Schauspiel Hannover werkelt Kilian Ponerts Gärtner an Schilfbüscheln und Hackklotz. Doch eigentlich führt hier Anne Stein als junge Erzählerin und «unberechtigte Eigenbesitzerin» durch die Zeitschichten von Jenny Erpenbecks Roman «Heimsuchung» (2008).
Erpenbeck, die seit ihrer Auszeichnung mit dem Booker Preis 2024 als «literarische Stimme Deutschlands in der Welt» gelabelt wird, hatte wie die «unberechtigte Eigenbesitzerin» das Haus ihrer Großmutter, der kommunistischen Schriftstellerin Hedda Zinner, geerbt und in einem Rückerstattungsprozess wieder verloren. «Heimsuchung» basiert auf Recherchen rund um die Geschichte von Haus und Grundstück. Knapp und komprimiert, mit unterschiedlichem Sprachmaterial jonglierend, porträtiert Erpenbeck seine Bewohner:innen und mit ihnen wechselnde Herrschaftsformen und Eigentumsverhältnisse. Doch sie verfolgt auch Kurzzeitgäste wie das jüdische Mädchen ...
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Theater heute Dezember 2025
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Eva Behrendt
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