Geht auch ohne Worte

Euripides «Alkestis»

Theater heute - Logo

Dies ist das Protokoll eines übergroßen Unverständnisses, ja eines Nicht- oder vielleicht gar Missverständnisses. Eines lupenreinen Nicht-Verstehen-Könnens, was an einer bestimmten Produktion namens «Alkestis», verfasst von Euripides, inszeniert von Emma Dante, gut sein soll.

Wo, außer im rein Dekorativ-Possierlich-Possenreißerischen, sich denn da ein Sinn verstecken soll?

Gut, dass die antike Götterwelt und sizilianischer Katholizismus in ihrer Kultfixiertheit ohne viel Federlesen irgendwie parallel gesetzt werden können, weil bei beiden offenbar die Vernunft aus- und die immer sehr praktisch einsetzbare Himmelsmacht einsetzt, haben wir begriffen. Etwa nach der zehnten Minute. Und es war klar, dass Emma Dante, die weltweit gefeierte sizilianische Schauspielerin und Regisseurin, die gerne über «Rhythmus», «Instinkt» und «das Animalische» redet, rechtes Fleisch an den bleichen Knochen der Alkestis sehen wollte. Und dagegen wäre ja auch nichts einzuwenden. Denn bei italienischen Regie-Instinkten, die ins Animalische führen, ist ja schon öfter etwas Gutes herausgekommen, ein Fellini oder Pasolini zum Beispiel. 

Emma Dante hingegen haut so richtig drauf auf den malerischen Putz und das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2007
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Simone Meier

Vergriffen
Weitere Beiträge
Countdown zur Katastrophe

Man wartet ja immer auf das Stück zur Wende, zur Klimakatastrophe oder zum Terrorismus. Jetzt haben wir eins, und dafür ist es sogar ziemlich gut (nachzulesen auf den Seiten 68–81 in diesem Heft). Simon Stephens betritt den 7. Juli 2005, den Tag, als in London 52 Menschen durch Bombenanschläge in U-Bahnen und einem Bus starben, durch die Seitentür. Nicht die Täter...

Die Rokoko- Kokotte

Haltbare Folgen hat der Betrug, doch keine Konsequenzen – sieben Jahre lang führt Paul, aus der Berliner Firmenzentrale nach Paris versetzt, ein Doppelleben an der Seine: mit Mathilde, die er in einer Ausstellung kennengelernt und die sich ihm als Kunst-Journalistin vorgestellt hat, und Natascha, der Mutter des gemeinsamen Kindes. Aber im Grunde steht er ihr und...

«Ich liebe es, abends den Grill aufzubauen»

Wenn es um die Schnittstelle von Bildender Kunst und Thea­ter geht, gehört der 1960 ge­borene Filmemacher und Regisseur Christoph Schlingensief zu den Grenzgängern par excellence. In den 90er Jahren mischte er mit talkshowartigen Abenden («100 Jahre CDU», «Schlacht um Europa»), politischer Aktionskunst («Bahnhofsmission Schlingensief», «Chance 2000», «Ausländer...