Gegenkritik
Liebe Leserin, lieber Leser, die freundliche Anfrage, eine Gegenkritik zu den Besprechungen über «Die Stadt und Der Schnitt» zu verfassen, hat mich gefreut. Ein solcher Text kann allerdings nur von jemandem geschrieben werden, der die Kritiken auch gelesen hat. Tatsächlich habe ich dies nicht – direkt nach Premieren lese ich nie Kritiken, sondern warte damit ein paar Monate. Denn die Arbeit geht ja trotzdem weiter. Und sie fällt mir leichter, wenn ich die Häme der Verrisse und das Lob der Hymnen nicht wortwörtlich zur Kenntnis nehme. Gerade erstere können nämlich wirklich wehtun.
Wir sind also übereingekommen, dass unser Pressereferent, der die Kritiken von Berufs wegen gelesen hat, mich mit einigen Kernthesen konfrontiert und ich in Form eines Interviews darauf antworte. Thomas Ostermeier
Aus den Verrissen wie auch aus manchen der guten Kritiken sticht der Vorwurf heraus, das Theater des «kapitalismuskritischen Realismus» sei inhaltlich und ästhetisch überholt.
Es hat mich sehr erstaunt, dass diese beiden Texte überhaupt als kapitalismuskritisch wahrgenommen werden. «Die Stadt» beschreibt die Liebesgeschichte eines Paars, das in dem Moment in die Krise gerät, als der Mann seinen ...
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Ja, warum regt sie sich eigentlich so auf? Die nette Lotte aus Remscheid hat offenbar schon ein paar Likörchen intus und hadert sehr aufgekratzt mit sich und ihrem freud- und anschlusslosen kleinen Marokko-Urlaub. Nun sind elf langweilige Tage in Agadir sicher kein reines Vergnügen, aber Weltuntergänge sehen trotzdem anders aus.
Botho Strauß’ monologintensives...
Ein imposantes Empfangskommando hat Thomas Ostermeier für seinen Britplay-Doppelabend «Die Stadt/Der Schnitt» zusammengetrommelt. Zuerst schleust er sein Publikum im Gänsemarsch durch schwarze Gänge, die an die Sicherheitsabsperrungen am Flughafen erinnern. Dann stellt er es zwischen vier Screens des hochdotierten Videokünstlers Julian Rosefeldt, auf denen einsame...
David Hohl ist einer von den Guten – jedenfalls hat er das immer geglaubt. Einer von den besonders Guten sogar, die ihr Leben aus Überzeugung in den Dienst einer gerechten Sache stellen, geht er doch 1990, gerade mal Mitte 20, als Angestellter der Schweizer Direktion für Entwicklungszusammenarbeit und Humanitäre Hilfe DEH nach Ruanda. Ein bisschen Abenteuerlust mag...
