Gegen den Milchstrom
Dass Giorgio Agamben oder Walter Benjamin sich je über eine Kritik der Gewalt oder das Wesen des Politischen in ihrem speziellen Verhältnis zur Butter ausgelassen hätten, diesem Gedanken würde man nicht eine Sekunde Lebenszeit schenken. Doch der Autor Ferdinand Schmalz behauptet genau das. Ganz ohne Berührungsangst stellt er seinem Text zwei Zitate dieser Denker voran und unterstellt ihnen, das Wort Butter in ihren Schriften verwendet zu haben.
Kurz stolpert man darüber, nimmt es zunächst für bare Münze, entscheidet sich dann für einen Gag und folgt dem Autor schließlich schon leicht schmunzelnd in ein Bergdorf, dessen Hauptindustrie die ortsansässige Molkereifirma ist.
Ein Tag wie jeder andere, so scheint es. Er beginnt in der Dorfschenke. Reste wird sie genannt. Dort kann man sich den Klaren literweise einhelfen, um das Trübe, das die Milch bei den Angestellten des Molkereibetriebs hinterlässt, aus dem Körper zu vertreiben. Die Stielaugen-Jenny wacht über das Wohl und Wehe ihrer Kundschaft. Sie sieht alles.
Der Hans von der Staatsgewalt ist täglicher Gast. Er vergibt im Dorf die Spitznamen, so auch einen an Adi, einen Mitarbeiter der Molkerei. Der Adi ist einer, der von einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 180
von Esther Holland-Merten
Seit mindestens 20 Jahren werden die Zuschüsse der Theater seitens der Kommunen gekürzt. Die beiden zentralen Folterinstrumente sind fehlender oder mangelhafter Ausgleich von Tariferhöhungen und fehlender Inflationsausgleich. Für die Träger haben diese Maßnahmen den Charme, dass sie oft unterhalb der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle bleiben. Hinzu kommt die...
Ein kahles Gästeappartement, hineingestellt in die große Spielhalle der Münchner Kammerspiele. Zwei Männer treten auf, beide um die Dreißig, der eine spillerig dürr, der andere das Gegenteil davon. Sie ziehen sich splitternackt aus und sind zwei Stunden lang einfach da. Ohne ein Wort zu sprechen, spielen sie alle Phasen einer menschlichen und künstlerischen...
Johan Simons kann sich freuen. Im dritten Jahr seiner Intendanz werden die Münchner Kammerspiele wieder Theater des Jahres. So lösen sich künstlerische Positionen ein. An zweiter Stelle steht das Schauspiel Köln im letzten (und renovierungsgebremsten) Jahr von Intendantin Karin Beier: Rückblick auf eine Ära.
