Funktionieren aus Prinzip

Ob vernünftige Nutzenmaximierung ein Volk von netten Teufeln zusammenhält? Philipp Löhle probiert es mit «Du (Normen)» einmal aus.

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So ein Haus am See wirkt sehr entspannend: Durchs riesige Panoramafenster weitet sich der Blick auf Blau und Grün, Wasser und Wald. Eine selige, blutdruck­senkende Ruhe breitet sich aus. Innen nur weiter Raum und helles Holz, minimalistische Sauna-Moderne. Noch vor ein paar Jahrzehnten hätte man sich bei diesem Anblick unsterblich angeödet und die abgelegene Ecke weit ab jeder metropolen Zerstreuung, die Tobias Schunk auf die Bühne des Mannheimer Schauspielhauses gebaut hat, als ziemlich trostlos empfunden.

Aber seit der westliche Spätkapitalismus noch ein bisschen stärker aufs Gaspedal gedrückt hat, seit mobile Dauerreichbarkeit und 24-Stunden-Verfügbarkeit tägliche Selbstverständlichkeit geworden sind, markiert landschaftliche Langeweile den allerhöchsten Luxusstandard.

Der Hausherr hat sich die Ruhe verdient. «Normen», so heißt der junge Unternehmer nach einer Laune seiner Eltern (und seines Autors), hat innerhalb weniger Jahre ein kleines Textilimperium aufgebaut mit vielen Millionen Jahresumsatz. Zugegeben, seine Angestellten können vom Mindestlohn nur träumen, und die Produktion in Bangladesch ist auch nicht über jeden Zweifel erhaben, aber Arbeitslosigkeit wäre für seine ...

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Theater heute August/September 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 34
von Franz Wille

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