Dem Unerlösten auf der Spur
Ruth Berghaus war eine der eigenwilligsten und unangepasstesten Künstlerpersönlichkeiten des deutsch-deutschen Theatergeschehens im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts. Vor allen Dingen mit ihren Operninszenierungen setzte sie Maßstäbe, stellte sie sich quer zu gedankenloser Routine, zu Kunstgewerbe und restaurativer Musiktheaterpflege. Rolf Liebermann, Komponist und experimentierfreudiger Opernintendant, gehörte zu ihren überzeugten Anhängern: «Ich halte sie für einen der intelligentesten Regisseure, die ich kenne, einen der analytischsten, strukturellsten und musikalischsten.
» Ihre Arbeiten polarisierten nicht nur das Publikum in Ost und West, auch die Theaterleute und Musiker, insbesondere die Sänger und Sängerinnen teilten sich in begeisterte Befürworter und entschiedene Gegner. Der langjährige Bassist der Frankfurter Oper, Manfred Schenk, widersetzte sich, den Schatz seiner Stimme gerne gemächlich ausschreitend und agile Körperhaltungen lieber vermeidend, ihren szenischen Zumutungen und schmähte sie über den Tod hinaus: Für den Fall, dass Ruth Berghaus «für den lieben Gott inszenieren darf», sei er entschlossen, sich dort oben krank zu melden.
Die Schweizer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Am Ende steht Teiresias im schwarzen Anzug etwas verloren am hinteren Bühnenrand und guckt auf das Etikett der Rotweinflasche in seiner Hand. Welcher Jahrgang ist das bloß? Pentheus ist zerrissen, Mutter Agaue und Papa Kadmos ins Barbaren-Exil vertrieben, das schöne Theben zerstört, und Dionysos hat den aufgeklärten Hellenen mal wieder gezeigt, wo der Hammer hängt....
Apfelsinen und Tulpen. Die Grundausstattung ist denkbar einfach. Pünktlich zum Jahrestag der «Orangenen Revolution» hat Armin Petras in Frankfurt Goethes «Egmont» inszeniert. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Nun, die Farbe macht’s. Denn die erlaubt es, eine Analogie von den spanisch besetzten Niederlanden des 16. Jahrhunderts zur Kiewer Protestbewegung im...
Impulsgeber
Die neuen Künstlerischen Leiter der Impulse, des verdienstvollen Festivals des Freien Theaters, heißen ab sofort Tom Stromberg (ehemals TAT, ehemals Hamburger Schauspielhaus, derzeit Impresario von Peter Zadek) und Matthias von Hartz. Die schlechte Nachricht dabei: Das bisher jährliche Festival wird aus Kostengründung biennal und geht erst 2007 wieder...
