Friss oder stirb
Erste Versuche, etwa in Berlin mit getestetem Publikum die Theater wieder zu öffenen, sind vorerst versandet. Für Mai annoncierte Premieren und Uraufführungen werden, genau wie die großen Festivals, nach und nach zurück ins Digitale gepfiffen: Die dritte Welle rollt, der Peak ist noch nicht erreicht. Die größte Wallung aber, die das Theater derzeit erzeugt, findet nicht künstlerisch, sondern in heftigen Debatten rund um sein Arbeitsklima statt.
«My stage is my kitchen» bleibt deshalb vorerst das Gebot der Stunde.
Schon im ersten Lockdown kam die Wiener Theaterärztin Lilli Nagy auf die Idee, zu Hause ausharrenden Schauspieler*innen und in leeren Theatern vereinsamenden Mitarbeiter*innen Rezepte abzuluchsen – und diese als Kochbuch zur Stärkung von Leib und Seele auch des Publikums herauszugeben. Auf diese Weise entstanden ist ein bibliophiles Großformat, das in den Rubriken Appetitanregendes, Gesundes und Deftiges sowie Süßes ingesamt 54 Rezepte versammelt – kopiert aus streng geheimen großmütterlichen Rezeptbüchern mit Original-Fettflecken und in Sütterlin, säuberlich handgeschrieben oder mit Großkünstlergeste lässig hingeworfen, illustriert mit eigenen Zeichnungen und erratischen ...
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Theater heute Mai 2021
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Eva Behrendt
Seit einem Jahr sind die Theater, Opern- und Tanzhäuser fast durchgehend geschlossen – und haben sich darauf umgestellt, online zu senden. Als neue Normalität lehnen viele Theatermenschen das ab: «Wir sind des Streamens müde», dieser Stoßseufzer ist oft zu hören. Das Theater hängt an der physischen Kopräsenz und sehnt sich danach, zu ihr zurückzukehren, sein...
In «Sanft und grausam», einer Adaption von Sophokles’ «Trachinierinnen», sagt eine Leibesvisiteurin mit Gummihandschuhen am Flughafen zu einer verzweifelten Frau: «Sie haben eine Waffe versteckt. Ich spüre sie neben ihrem Herzen.» Die Frau antwortet: «Ach, wirklich? Meinen Sie die Liebe?» Aber die Antwort ist: «Nicht Liebe, nein, ich rede von diesem Stachel.» –...
Theatertreffen 2021 – muss das sein? Der Auswahlzeitraum umfasst großzügig gerechnet nur gut vier Monate – sechs Wochen vor dem ersten Lockdown, zehn Wochen vor dem zweiten –, viele der vorgeschlagenen Inszenierung konnten von der Jury nicht mehr nachgereist, sondern nur in qualitativ sehr unterschiedlichen Videoaufzeichnungen angesehen werden. Immerhin wurden...
