Friss oder stirb

Die Wiener Theaterbetriebsärztin Lilly Nagy hat ein Corona-Kochbuch herausgegeben: «My stage is my kitchen»

Erste Versuche, etwa in Berlin mit getestetem Publikum die Theater wieder zu öffenen, sind vorerst versandet. Für Mai annoncierte Premieren und Uraufführungen werden, genau wie die großen Festivals, nach und nach zurück ins Digitale gepfiffen: Die dritte Welle rollt, der Peak ist noch nicht erreicht. Die größte Wallung aber, die das Theater derzeit erzeugt, findet nicht künstlerisch, sondern in heftigen Debatten rund um sein Arbeitsklima statt.

«My stage is my kitchen» bleibt deshalb vorerst das Gebot der Stunde.

Schon im ersten Lockdown kam die Wiener Theaterärztin Lilli Nagy auf die Idee, zu Hause ausharrenden Schauspieler*innen und in leeren Theatern vereinsamenden Mitarbeiter*innen Rezepte abzuluchsen – und diese als Kochbuch zur Stärkung von Leib und Seele auch des Publikums herauszugeben. Auf diese Weise entstanden ist ein bibliophiles Großformat, das in den Rubriken Appetitanregendes, Gesundes und Deftiges sowie Süßes ingesamt 54 Rezepte versammelt – kopiert aus streng geheimen großmütterlichen Rezeptbüchern mit Original-Fettflecken und in Sütterlin, säuberlich handgeschrieben oder mit Großkünstlergeste lässig hingeworfen, illustriert mit eigenen Zeichnungen und erratischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2021
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Die Spiegeltiere

Es gibt kein Draußen mehr. Seit die Theater im Zuge der Corona-Schutzmaßnahmen schließen mussten, haben sich die halböffentlichen Bühnenräume verschlossen. Es wird zwar weiterhin geprobt und gearbeitet, aber die Bühnen sind keine Orte der Zusammenkunft und des Austauschs mehr. Und die einzigen künstlerischen Produkte, die noch an die Öffentlichkeit kommen,...

Der Eiserne Vorhang des Epischen

Die Kinderliteratur unserer Tage steckt voller unvergesslicher Figuren: Grüffelo etwa, ein klobiges, warzennasiges Monster, das sich von einer winzigen Maus düpieren lässt. Oder die Olchies, diese fröhlichen Anbeter des Schmutzes und Verächter des Wassers, die auf ihrer Müllkippe einem Leben in Ekel frönen. Oder die dichtenden und abenteuernden Ratten Eliot und...

Im Schwarzen Land

Anna Gmeyner wurde am 16. März 1902 in ein großbürgerlich-liberales Elternhaus in Wien geboren. Der Vater war Anwalt, die drei Töchter – Anna war die Älteste – wuchsen in einer geistig anregenden Atmosphäre auf. Die Beziehung zu ihrem Vater, sollte die Autorin später feststellen, ist die fundamentalste in ihrem Leben. In einem offenbar autobiografischen Text, der...