Einmal volltanken, bitte

Das Deutsche Theater Göttingen lädt zur «Tankstelle am Wall»

«Hier kann man Spaß tanken», verspricht die Schauspielerin Marie Seiser fröhlich. Sie begrüßt mich am ersten Schalter der «Tankstelle am Wall» und schlägt mir ein paar gemeinsame Spiele vor. Nur wenige Augenblicke später stehe ich an einem verglasten Schalter in Göttingen und spiele Taketina. Das ist ein verwirrendes Rhythmus-Koordinations-Spiel, das man eigentlich nicht erklären kann, sondern selbst gespielt haben muss.

Eines, bei dem man beim Bemühen um eine lässige Gleichzeitigkeit zwischen Stimme- und Körperaktionen regelmäßig aus der Koordinationskurve fliegt, und eines, bei dem man tatsächlich Spaß hat. Zumindest in den drei unterhaltsamen Minuten, die Marie Seiser es mit mir spielt. Danach ist diese Interaktion vorbei, und ich darf aufrücken zu Schalter 2.

Fünf Schalter sind an diesem Nachmittag geöffnet, und von weitem sieht der Container, den das Theater Göttingen vor gut einem Jahr als neuen Raum für die Theaterpädagogik auf dem Stadtwall aufstellen ließ, tatsächlich wie eine Tankstelle aus. Als solche hat ihn die Regisseurin Antje Thoms gemeinsam mit dem Bühnenbildner Florian Barth konzipiert. Und so schimmern über dessen dunkle Wellblechwände in großen Lettern – je ...

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Theater heute Mai 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 53
von Katrin Ullmann

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