Aus der Praxis der Produktion
Das Original ist eine Idee des 19. Jahrhunderts. 1886 kam es zur «Berner Übereinkunft», einem multilateralen Abkommen über das Urheberrecht. Angeschoben von niemand Geringerem als Victor Hugo, der selbst sehr klar zwischen dem materiellen Buch und dem ihm innewohnenden freien Gedanken unterschied. So begann die Einführung des Urheberrechts als Satzung und somit die Setzung des Autors als genialischem Erzeuger. Zuvor gab es in den Jahrhunderten zig Adaptionen, Übermalungen, Nachahmungen von Stoffen, Stücken, Mythen und Bildern.
Die meisten sind im Fundus der Theater- und Kunstgeschichte vergessen und in den Regalen der Mittelmäßigkeit abgelegt, andere wie Shakespeare, der sich durch zahlreiche Werke inspirieren ließ und verschiedene Werke auch gerne zu einem neuen kombinierte, wie zum Beispiel Aischylos «Orestie» und die «Essais» von Montaigne für den «Hamlet» oder die Erzählungen von Matteo Bandello, Luigi da Porto, Arthur Brooke und Ovids «Pyramus und Thisbe» aus dessen «Metamorphosen» für «Romeo und Julia».
Sehr interessant in diesem Kontext, zumal es DAS Stück über die menschliche Replica eines göttlichen Originals ist: «Amphitryon». Diesen Stoff gibt es unter anderem von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2018
Rubrik: Essay, Seite 49
von Philipp Preuss
Die österreichische Erstaufführung von «Homohalal» beginnt damit, dass sich der Schauspieler Johnny Mhanna vorstellt. Er stamme aus Damaskus und sei 2015 über die Türkei, Griechenland, Serbien und Ungarn nach Österreich geflüchtet. «In zweieinhalb Jahren in Österreich habe ich in 14 Theaterproduktionen gespielt. Ich bin voll ausgebucht», sagt er. «Jedes Theater in...
Hat man schon mal einen Dramatiker erlebt, der die Sprache einen «Horror» nennt und dabei mit Wittgenstein argumentiert, dem Logikfreak und Sprachphilosophen? Österreicher, meint der Österreicher Thomas Köck, würden der Sprache so fremd gegenüberstehen, dass sie ihr nur auf der Ebene des Horrors begegnen, sonst würden sie gleich gar nicht reden. Und das könne man...
Das Programmheft mal wieder! Da wird, bevor es überhaupt um den Inhalt des neuen Stücks «Brand» von Bettina Erasmy geht, ausschweifend über «Epigenetiker» referiert, die untersuchen, «inwieweit sich ein Nebenstrang der DNA tatsächlich durch traumatische Erlebnisse verändert», und über Psychologen, die danach fragen, «welche Konsequenzen diese Erkenntnis für den Weg...
