Frei vom Staat
Unsere Zeiten sind beunruhigend. Öffnet sich die Welt dem Chaos? Niemand weiß derzeit so recht, wo es hingeht. Ein Stück, das diese ungemütliche Stimmung sehr treffend widerspiegelt, wurde jetzt im Kammertheater des Stuttgarter Schauspiels uraufgeführt: «Im Ferienlager» von Olga Bach – für fünf Darsteller:innen und einen Jugendchor mit vielen Gesangseinlagen. Ein Auftragswerk mit vielen Stuttgart-Bezügen.
Der Plot spielt in den 1920er Jahren: Luise jobbt in einem Ferienlager «an einem recht abgeschiedenen Örtchen» als Chorleiterin, um Jugendlichen die Zeit zu vertreiben. Sie zweifelt bald an der Harmlosigkeit der Institution, die sich mehr und mehr als sektenähnlich offenbart. Sie erfährt Gruseliges: Ihre Vorgängerin verschwand spurlos. Ein französischer Offizier wird ganz in der Nähe ermordet. Sie trifft im Camp auf Luis (Simon Löcker), einen alten Freund, der dort als Erzieher arbeitet – mit zweifelhafter Pädagogik: Erst schwadroniert er von naturnahem «Leben ohne Angst», dann am nächtlichen Lagerfeuer von schrecklichen Hexenprozessen, schließlich nötigt er die jungen Leute zu rituellen Leuchtstab-Prozessionen. Minuziös driftet eigentlich Gutmenschlich-Wohlmeinendes (Singen, ...
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Theater heute März 2025
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Verena Großkreutz
Breit und flach ist die Bühne im Großen Haus. Ein Sofa vor einer Schrankwand. Was ist zu erwarten? Eine flache Komödie im Sitzen oder auch eine Sittenkomödie mit Aufstehen (Vulgärübersetzung von «Sitcom»)? Hinter den Klappen verbergen sich Dinge: eine Waschmaschine, ein Kühlschrank, eine Kaffeemaschine (Bühne Susanne Hoffmann). Verborgene Tiefe wird also ans Licht...
Die Wunde Dresden» hatte Volker Lösch einst die Erinnerung an die Bombenangriffe vom 13. Februar 1945 genannt, in der Verbände der Royal Air Force mit Flächenbombardements große Teile der Dresdner Innenstadt zerstörten. Über die Opferzahlen wird seitdem regelmäßig gestritten und die rechtsradikalen Kräfte haben spätestens seit 1990 versucht, das Gedenken für sich...
Kurz vor Schluss versuchen beide Berliner Inszenierungen noch etwas rumzureißen. In Georges Bizets «Carmen» in der Regie von Christian Weise wendet sich Lindy Larssons stolze Romni, gerade noch vor die Wahl gestellt, ihr freies Leben aufzugeben oder erstochen zu werden, direkt ans Publikum und ermutigt es mit Erfolg, selbst das Lied des Toreros Escamillo...
