Frau Saltimbocca und Herr Cozzevongole
Dass Liebe kälter als das Kapital ist, wusste schon Carlo Goldoni sehr genau. In seiner «Trilogie der Sommerfrische» geht es nur an der Oberfläche darum, wer mit wem auf Urlaub fährt oder wer in wen verliebt ist. In Wahrheit dreht sich alles ums Geld, wobei der Witz dieser Komödie – eigentlich tatsächlich eine Trilogie, die in der Praxis aber meist zum Dreiakter eingedampft wird – hauptsächlich darin besteht, dass die hoch verschuldeten Protagonisten einander wechselseitig vormachen, wohlhabend zu sein.
Das ist im Prinzip auch in der Überschreibung so, die Franzobel im Auftrag des Linzer Landestheaters angefertigt hat. Aber dabei belässt es der Autor nicht. Bei ihm spielt das Stück ein paar Jahrzehnte später als bei Goldoni – zu der Zeit, als in Paris die Französische Revolution ausbricht und die Köpfe rollen. Die Dienerschaft bekommt Wind davon und probt in Venedig den Aufstand, allerdings erfolglos.
Vom barocken Sprachrausch des Franzobelschen Frühwerks ist im Text zwar keine Spur; das Personenverzeichnis aber liest sich wie die Speisekarte einer Trattoria: Da gibt es einen Signore Fettucine und eine Signora Saltimbocca, einen Diener namens Speck und, besonders hübsch, einen ...
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Theater heute Januar 2025
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Wolfgang Kralicek
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