Frau Saltimbocca und Herr Cozzevongole

Franzobel nach Goldoni «Trilogie der Sommerfrische» (U) am Landestheater Linz

Theater heute - Logo

Dass Liebe kälter als das Kapital ist, wusste schon Carlo Goldoni sehr genau. In seiner «Trilogie der Sommerfrische» geht es nur an der Oberfläche darum, wer mit wem auf Urlaub fährt oder wer in wen verliebt ist. In Wahrheit dreht sich alles ums Geld, wobei der Witz dieser Komödie – eigentlich tatsächlich eine Trilogie, die in der Praxis aber meist zum Dreiakter eingedampft wird – hauptsächlich darin besteht, dass die hoch verschuldeten Protagonisten einander wechselseitig vormachen, wohlhabend zu sein.

Das ist im Prinzip auch in der Überschreibung so, die Franzobel im Auftrag des Linzer Landestheaters angefertigt hat. Aber dabei belässt es der Autor nicht. Bei ihm spielt das Stück ein paar Jahrzehnte später als bei Goldoni – zu der Zeit, als in Paris die Französische Revolution ausbricht und die Köpfe rollen. Die Dienerschaft bekommt Wind davon und probt in Venedig den Aufstand, allerdings erfolglos.

Vom barocken Sprachrausch des Franzobelschen Frühwerks ist im Text zwar keine Spur; das Personenverzeichnis aber liest sich wie die Speisekarte einer Trattoria: Da gibt es einen Signore Fettucine und eine Signora Saltimbocca, einen Diener namens Speck und, besonders hübsch, einen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2025
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Wolfgang Kralicek

Weitere Beiträge
Was Autokratien den Boden bereitet

Theater heute Im November sind Sie mit dem Kleistpreis ausgezeichnet worden, herzlichen Glückwunsch! In der Dankesrede erwähnen Sie Ihren Großvater Danja, der auch in Ihrem jüngsten Theaterstück eine Rolle spielt (vgl. Stückabdruck TH 10/24): Er wuchs auf in der Ukraine, war geprägt von der Sowjetunion, ist in den 1990er Jahren, anders als sein bester Freund, mit...

Kann weg!

Über einen Mangel an schlechter Presse kann sich Joe Chialo derzeit nicht beklagen. Einen «ignoranten Ton» bescheinigt Peter Kümmel der Berliner Kulturverwaltung in «Der Zeit». «Nassforsch» nennt ihn Peter Laudenbach in der «Süddeutschen Zeitung» und wirft ihm «unfaire Polemik, Ressentiment und fehlende Sachkenntnis» vor, weshalb ihm «massive, breite und anhaltende...

Entsolidarisierungsqualen

Im Englischen beschreibt das schöne Wort «overstuffed» bemerkenswert unterschiedliche Zustände. Es kann sich ganz materiell etwa auf ein Regal beziehen, dessen Bretter unter der Last zu vieler Dinge durchhängen. Positiv gewendet mag aber auch ein besonders komfortabel gepolsterter Sessel so beschrieben werden, und auch ein Buch ist «overstuffed», wenn es zu viele...