Frau am Fenster, rauchend
Eine irisierende Tapete, eine Kombination aus Sessel mit angrenzender Couch. Der Flur führt direkt auf ein Fenster, das aber offensichtlich nur Tapete ist. Eine Pferdekopf-Statue links, eine Fensterfront mit Gardinen rechts. Es sieht alles sehr gepflegt aus, aber auch, als wolle einer mehr sein als er ist. Zu gewollt, zu künstlich das alles (Bühne Hannes Hetta).
Eine Frau am Fenster, rauchend. Dann klingelt es, der Patient kommt. Der hat eine Hasenmaske vor dem Gesicht und riesige Fellohren auf dem Kopf. Er wirkt psychotisch, dieser Hasenpatient.
«Kommt ein Hase zum Psychiater», das könnte ein Witzanfang sein, aber der Impuls zu lachen verflüchtigt sich schnell. Denn in dieser artifiziellen Umgebung, mit diesen artifiziellen Menschen und ihrer artifiziellen Unterhaltung haben Nonsens und Komik keinen Platz. Kurz ploppen sie nochmal auf, als der Patient von seiner Abneigung gegen Wurst berichtet und die Psychiaterin, streng mit Bubikopf-Frisur, ohne den Hauch von Ironie aufzählt: «Bratwurst, Teewurst, Weißwurst.» Aber im Drama «50 Minutes» der südafrikanisch-britischen Autorin Deborah Levy hört der Hase mit seinen großen Ohren jeden Bombeneinschlag; davon ist er so verängstigt, dass ...
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Theater heute Juli 2025
Rubrik: Bilanzen, Seite 53
von Valeria Heintges
Wir, die unterzeichnenden Schriftstellerinnen und Schrifsteller aus England, Wales, Schottland, Nordirland und der Republik Irland, bitten unsere Nationen und die Völker der Welt, sich uns anzuschließen und unser kollektives Schweigen und unsere Untätigkeit angesichts des Schreckens zu beenden.
Vor einem Jahr und sieben Monaten wurde die palästinensische Dichterin...
Lars Rudolph predigt. Das kann dieser Schauspieler: Er ist einnehmend, charismatisch, seine Rede ist dramaturgisch klug. Und gleichzeitig blitzen seine Augen, ist seine Stimme immer kurz davor, ins Zittern zu kippen, sein Charisma könnte auch Wahnsinn andeuten. Ein Prediger also, auf einer echten Kanzel. Rudolph steht in der Immanuelkirche auf der Hamburger Elb...
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