Frau am Fenster, rauchend
Eine irisierende Tapete, eine Kombination aus Sessel mit angrenzender Couch. Der Flur führt direkt auf ein Fenster, das aber offensichtlich nur Tapete ist. Eine Pferdekopf-Statue links, eine Fensterfront mit Gardinen rechts. Es sieht alles sehr gepflegt aus, aber auch, als wolle einer mehr sein als er ist. Zu gewollt, zu künstlich das alles (Bühne Hannes Hetta).
Eine Frau am Fenster, rauchend. Dann klingelt es, der Patient kommt. Der hat eine Hasenmaske vor dem Gesicht und riesige Fellohren auf dem Kopf. Er wirkt psychotisch, dieser Hasenpatient.
«Kommt ein Hase zum Psychiater», das könnte ein Witzanfang sein, aber der Impuls zu lachen verflüchtigt sich schnell. Denn in dieser artifiziellen Umgebung, mit diesen artifiziellen Menschen und ihrer artifiziellen Unterhaltung haben Nonsens und Komik keinen Platz. Kurz ploppen sie nochmal auf, als der Patient von seiner Abneigung gegen Wurst berichtet und die Psychiaterin, streng mit Bubikopf-Frisur, ohne den Hauch von Ironie aufzählt: «Bratwurst, Teewurst, Weißwurst.» Aber im Drama «50 Minutes» der südafrikanisch-britischen Autorin Deborah Levy hört der Hase mit seinen großen Ohren jeden Bombeneinschlag; davon ist er so verängstigt, dass ...
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Theater heute Juli 2025
Rubrik: Bilanzen, Seite 53
von Valeria Heintges
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