Basel: Ewig auf Sendung
Öffnen Sie keine Türen (könnte gefährlich sein)! Sprechen Sie keine Leute in blassgrünen Kitteln an (alle in ihre Arbeit vertieft)! Verhalten Sie sich leise (das Haus ist immer auf Sendung)! Das sind so die Benimmregeln, die der Theatermacher Thom Luz für den szenischen Rundgang namens «Radio Requiem» im stillgelegten Sendestudio auf dem Basler Hausberg, dem Bruderholz, vorgibt.
Wobei für Ortsfremde unbedingt hinzuzufügen ist: Wir sind hier nicht irgendwo. Im Studio Basel hat das Schweizer Radio DRS über 80 Jahre Geschichte geschrieben und Geschichten gemacht.
Der nationale Popsender erlebte hier seine wildesten Jahre. An diesem Ort wurden schon erstklassige Hörspiele produziert, als das Genre noch für Straßenfeger zuständig war. Ende der 80er richtete dann das zweite öffentlich-rechtliche Radio-Programm auf dem Bruderholz eine standfeste Kultur-Bastion ein – nah bei den Stammhörern, denn das Studio Basel liegt mitten im Villenviertel und nur einen Steinwurf von einem Nobelrestaurant mit zwei Michelin-Sternen entfernt.
Tempi passati. Radio DRS sendet seit Neuestem aus dem zentralbahnhofsnahen Meret-Oppenheim-Haus, selbstredend ein Kunstbau der Basler Architekten Herzog & de ...
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Theater heute August/September 2019
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Stephan Reuter
Falk Schreiber Herr Schwandt, Mitte Juni kündigten Sie an, 2020 als geschäftsführender Direktor in Lübeck zurückzutreten. Was ist da passiert?
Christian Schwandt Ich habe gekündigt, weil das Theater Lübeck heute ein schlecht finanziertes B-Theater ist. Bisher war das gute zweite Liga, weil wir immer noch genug Geld zur Verfügung hatten, um immer wieder...
Verschwenderisch zischt die Ursuppe aus der Nebelmaschine, unheilvoll dröhnen die Bässe, tuten die Hörner. In archaisches Theaterdampfen ist die Bühne gehüllt, der Anbeginn der Welt, der Nebel des Unwissens, aus dessen Untiefen auf der Drehbühne langsam Gestalten anfahren, erst eine, dann zwei, dann mehr. Sie tragen weiße Kleidchen und kahle Köpfe, wie...
Das Woodstock-Musikfestival vom August 1969 ist schwer zu fassen, zumal für einen Nachgeborenen. Hippie-Feier, Manifestation der US-Gegenkultur, Protest gegen den Vietnamkrieg, schon klar: «An Aquarius Exhibition – Three Days of Peace and Music». Aber Woodstock ist eben auch die Keimzelle einer durchkommerzialisierten Entertainment-Industrie, die in die Abgründe...
