Festival: Im Dialog
Bilder wie diese kann ja keine Bühne, kein Theater bieten – Bilder wie aus der «Vila Itororo», einer kleinen Geisterstadt mitten im Herzen der Monster-Metropole Sao Paulo. Vor bald 100 Jahren entstand hier eine kleine Siedlung zu Füßen des Wohn-Tempels, den ein offensichtlich reichlich durchgeknallter Architekt für sich selber entwarf; mit Säulen wie auf einer Akropolis «en miniature» und mit Interieur aus einem alten, damals schon verfallenen Theater der Stadt.
Längst sind Hochhäuser, Wohntürme und Schnellstraßen um das Terrain herum gewachsen, das Straßen-Niveau jenseits der Mauern der «Vila Itororo» liegt mittlerweile über den Dächern des völlig maroden Geländes. Die Wohnblöcke verfielen, wurden von Künstlern besetzt und sollen jetzt zum Kulturdenkmal werden – auch wer über Jahre hin quasi um die Ecke wohnte, hat diesen verkommen-verzauberten Ort womöglich nie zu Gesicht bekommen. Durch dieses Ambiente nun, diese «Cidade Vodu», die Voodoo-Stadt, führt uns – ständig irre kichernd – der Tod persönlich in der Produktion vom «Teatro dos Narradores», dem «Theater der Erzähler».
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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Michael Laages
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