Festival: Im Dialog

Das dritte internationale Theaterfestival bringt Sao Paulo zur Besinnung

Theater heute - Logo

Bilder wie diese kann ja keine Bühne, kein Theater bieten – Bilder wie aus der «Vila Itororo», einer kleinen Geisterstadt mitten im Herzen der Monster-Metropole Sao Paulo. Vor bald 100 Jahren entstand hier eine kleine Siedlung zu Füßen des Wohn-Tempels, den ein offensichtlich reichlich durchgeknallter Architekt für sich selber entwarf; mit Säulen wie auf einer Akropolis «en miniature» und mit Interieur aus einem alten, damals schon verfallenen Theater der Stadt.

Längst sind Hochhäuser, Wohntürme und Schnellstraßen um das Terrain herum gewachsen, das Straßen-Niveau jenseits der Mauern der «Vila Itororo» liegt mittlerweile über den Dächern des völlig maroden Geländes. Die Wohnblöcke verfielen, wurden von Künstlern besetzt und sollen jetzt zum Kulturdenkmal werden – auch wer über Jahre hin quasi um die Ecke wohnte, hat diesen verkommen-verzauberten Ort womöglich nie zu Gesicht bekommen. Durch dieses Ambiente nun, diese «Cidade Vodu», die Voodoo-Stadt, führt uns – ständig irre kichernd – der Tod persönlich in der Produktion vom «Teatro dos Narradores», dem «Theater der Erzähler».

Texte und Materialien über die Sklaverei hat Regisseur Jose Fernando Azevedo montiert, und Haiti steht im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2016
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Michael Laages

Weitere Beiträge
Heimatkunde: Waschkaue, Büdchen, Einweckglas

Unter Tage. Ein Mann allein im Dunkel. Nur das Grubenlicht am Helm leuchtet. Man hört seinen schweren Atem. Der Presslufthammer bohrt ins Gestein. Bald wird jede Menge Kohle abgesprengt sein.

Schnitt: Ein Junge kramt im Badezimmerschränkchen zwischen Lux-Seife und Echt Kölnisch Wasser. Er trägt eine kurze Lederhose mit Edelweiß-Emblem. Es ist Sommer. Draußen hängt...

Wien: Aus dem Takt

Möchte man Tschechow inszenieren, kommt man nicht um die Frage herum, wie man Langeweile zeigt, ohne selbst langweilig zu werden. «Iwanow» hat schließlich einen Helden im Zentrum, der noch wehleidiger und passiver ist als die vielen anderen Tschechow-Figuren, die sich als überflüssige Menschen in der Provinz herumplagen. Ist das doch noch tragisch oder schon wieder...

Aktionskunst: Zürcher Theateraustreibung

Im März kam der Berliner Philipp Ruch mit seinem Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) nach Zürich, um im Auftrag des Theater Neumarkt aus der Fixierung auf Roger Köppel und seine rechtsnationale «Weltwoche» etwas Kunst zu formen. Eine kleine Nebenarbeit, nicht viel mehr als eine Website. Auf www.schweiz-entkoeppeln.ch konnten Nutzer Flüche an die Adresse des...