Festival: Big Science
Zuschauer sitzen am Boden oder stehen lose herum, zwischen ihnen bewegen sich leicht bekleidete junge Menschen, mustern einander, ziehen sich schließlich vorsichtig aus. Sie bieten einander das Hinterteil dar, bewegen sich rückwärts durch den Raum, während sie zugleich den Po eines anderen neugierig fixieren. In seiner namenlosen Performance kümmert sich das brasilianische Künstlerkollektiv Macaquinhos («Äffchen») um das Loch, um den von unserer phallozentrischen Gesellschaft verschmähten Anus.
Sechzig Minuten lang werden sich die zehn Performer zwischen den Zuschauern hindurchbewegen und dabei stets eine Gemeinschaft bilden, stets zugleich Objekt sein, das sich an- und darbietet, und Subjekt, das den Po seines Nächsten bestaunt oder befingert. Grenzen werden dabei touchiert, aber nicht überschritten, und in der zarten, konzentrierten Neugier bleibt alles recht sicher. Das wäre völlig in Ordnung, wollten die Macaquinhos nicht laut Programmheft «Wissensproduktion, Deutungshoheit und nicht zuletzt die soziale Konstruktion von Körper und Kunst» hinterfragen.
Sehr viel politischer Wille für recht einfach gestrickte künstlerische Arbeiten, das ist wohl die Leitlinie des «Projeto ...
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Theater heute August/September 2016
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Esther Boldt
Die russische Seele ist ein schwarzes Loch. Und zwar eines ohne Boden. Ob Wodka, Rubel oder Moral – alles versickert auf Nimmerwiedersehen. In Stuttgart sind es genau genommen gleich zwei schwarze Löcher, gebildet von den Augenhöhlen eines riesigen Schädels, der in der Bühnenmitte thront. Dieser Schädel, militärisch behelmt und mit Schutzbrille, ist Spielort und...
Für meine Mum,
und Nena
und Marija
und Monika
Personen
2011
Alisa Kos (36)
Lucija Kos (33), Alisas Schwester
Mascha Kos (66), Alisas und Lucijas Mutter
Vlado (Vladimir) Kos (67), Alisas und Lucijas Vater
Dunja Kaiser (63), Maschas Schwester
Marko Horvat (39), Nachbar von oben
1990
Mascha Kos (45)
Vlado Kos (46)
Dunja Kaiser (verheiratete Dolinar) (42)
Karl...
Schon eine einzige entstandene Mädchenschule in Afghanistan rechtfertigt den ISAF-Einsatz», sagt die Performerin, während die mutmaßliche Urheberin dieser Worte, eine 23-jährige afghanische Studentin und Aktivistin aus analphabetischem Hause, unbewegt von der Videoleinwand blickt. Nur wenige Minuten später wird ihr in «Conversion/Nach Afghanistan» widersprochen:...
