Festival: Big Science

Das «Projeto Brasil» in Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg, Berlin und Dresden trägt politisch und theoretisch kräftig auf

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Zuschauer sitzen am Boden oder stehen lose herum, zwischen ihnen bewegen sich leicht bekleidete junge Menschen, mustern einander, ziehen sich schließlich vorsichtig aus. Sie bieten einander das Hinterteil dar, bewegen sich rückwärts durch den Raum, während sie zugleich den Po eines anderen neugierig fixieren. In seiner namenlosen Performance kümmert sich das brasilianische Künstlerkollektiv Macaquinhos («Äffchen») um das Loch, um den von unserer phallozentrischen Gesellschaft verschmähten Anus.

Sechzig Minuten lang werden sich die zehn Performer zwischen den Zuschauern hindurchbewegen und dabei stets eine Gemeinschaft bilden, stets zugleich Objekt sein, das sich an- und darbietet, und Subjekt, das den Po seines Nächsten bestaunt oder befingert. Grenzen werden dabei touchiert, aber nicht überschritten, und in der zarten, konzentrierten Neugier bleibt alles recht sicher. Das wäre völlig in Ordnung, wollten die Macaquinhos nicht laut Programmheft «Wissensproduk­tion, Deutungshoheit und nicht zuletzt die soziale Konstruktion von Körper und Kunst» hinterfragen.

Sehr viel politischer Wille für recht einfach gestrickte künstlerische Arbeiten, das ist wohl die Leitlinie des «Projeto ...

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Theater heute August/September 2016
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Esther Boldt

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