Fatale Muster
Anna ist auf der Flucht, in doppelter Hinsicht: im «Herkunftsland» politisch verfolgt, am aktuellen «Aufenthaltsort» vom Ehemann gestalkt. «Wenn der mich findet», sagt Anna, «der macht mich tot.» Ronja wiederum, gerade achtzehn geworden, soll gegen ihren Willen heiraten – einen Cousin. Der innerfamiliäre Druck wird mit Erniedrigungsschrumpfsätzen à la «Wer will dich überhaupt noch, in deinem Alter war ich längst» verstärkt.
Melanie schließlich – Akademikerin und einst «Geschäftsfrau des Jahres» – sucht mit Verbrennungen zweiten Grades medizinische Hilfe in einer Praxis, die für den Küchen-Unfall, den sie als Ursache angibt, verräterisch weit vom Wohnort entfernt liegt. Den mit der Haut verschmolzenen Blusenstoff, den die Ärztin von der Brandwunde abzieht, verortet sie im vierstelligen Preissegment.
Sechs Frauen, die regelmäßig häusliche Gewalt erfahren und Zuflucht in einem Frauenhaus gefunden haben, stehen im Zentrum von Felicia Zellers neuem Stück «Antrag auf größtmögliche Entfernung von Gewalt». Der Text ist auf der Grundlage von Interviews entstanden und tritt – abgesehen von vielen anderen Qualitäten – zunächst einmal einem grassie -renden Stereotyp entgegen. «Viele denken, ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Das Stück, Seite 50
von Christine Wahl
Margit Carstensen war die Petra von Kant, im Film und auf der Bühne; sie prägte diese wie viele Fassbindersche Frauenfiguren. Dem Regisseur sei nachgesagt worden, sagt Carstensen 1992 in einem Interview, so negative Frauenbilder gezeichnet zu haben. «Dabei war ich das. Ich hab’ sie negativ gezeigt.» Schließlich seien hinter dem, was man nach außen sehe, oft doch...
Im Jahr 2021 beschloss die ungarische Regierung, die 10. Inter - nationale Theaterolympiade mit öffentlichen Geldern in Höhe von 18 Millionen Euro (6,8 Milliarden Forint) zu finanzieren. Ein solcher Betrag wurde noch nie für ein Theaterfestival in diesem Land ausgegeben. In der von Viktor Orbán unterzeichneten Entschließung heißt es: «In Anerkennung der zentralen...
DUISBURG, LIEBFRAUENKIRCHE
12.8.–23.9., My Body Is Not An Island Eva Kot'átková
Die tschechische Künstlerin Eva Kot’átková entwickelt nach Stationen in Bordeaux und Prag eine ortsspezifi -sche Version von «My Body Is Not An Island»: Ein dekonstruierter, gigantischer Körper – teils Tier, teils Mensch – aus einem Metallgerüst geschweißt, über -dimensionale...
