Heillose Individualisten
Anton Tschechows «Onkel Wanja» und «Der Kirschgarten» erzählen bekanntlich von Idyllen, die keine mehr sind. Hoffnungen zerplatzen, aus Landgütern werden Grundstücke für Datschen. Von den kritischen Spitzen auf feudale Müßiggänger, aufkommenden Kapitalismus und die rücksichtslose Industriegesellschaft zum Ende des 19. Jahrhunderts ist in Christopher Durangs Tschechow-Fuge «Vania und Sonia und Mascha und Spike» nichts mehr übrig, etwaige Gesellschaftskritik wird in seiner freien Adaption weitestgehend umgangen.
Auch in Stefan Hubers europäischer Erstaufführung steht zunächst alles auf wohligem Landhausflair: Mit Blick auf den Kirschgarten, eine den gesamten Hintergrund bedeckende Wandfolie, schaut Vania (Berth Wesselmann), ein schwuler Mittfünfziger, im Wintergarten bei morgendlichem Kaffee dem Sonnenaufgang zu. Nach dem Tod der Eltern glänzt aber auch in diesem allseits mit floralen Mustern bedeckten Wohnambiente (Bühne: Andrea Wagner) nichts mehr wie früher. Während er sich mit unerfüllten Träumen abzufinden gelernt hat, ergeht sich die depressive Sonia (Catharina Kottmeier) in alltäglichen Jeremiaden über ihr eigenes Versagertum. Als dann noch deren beider Schwester Mascha ...
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Theater heute März 2014
Rubrik: Chronik: Baden-Baden, Seite 55
von Björn Hayer
2./Sonntag
23.30, ARD: Auf der Suche Fernsehfilm (2011) Buch und Regie Jan Krüger, mit Corinna Harfouch u.a.
4./Dienstag
22.45, ARD: Erika Pluhar – Trotzdem. Mein Leben Film von Sigrid Faltin
9./Sonntag
11.05, 3sat: Robert Walser – ein Poetenleben Biel 1878 – Herisau 1956
Film (2003) von Ernst Buchmüller
11./Dienstag
20.15, 3sat: Ein halbes Leben Fernsehfilm (2008) von...
Das erste literarische Genre, das Rebekka Kricheldorf beherrschte, war das Schmähgedicht. «Es lebte einst, ich weiß nicht wo / ein Mensch, der hieß Gorilla-Joe / Er war nicht schön, er war nicht klug / doch Haare hatte er genug / Die hingen tief ihm ins Gesicht / So sah er nie das Sonnenlicht.» Dieses lyrische Frühwerk beispielsweise entstand Mitte der achtziger...
Das Original hieß noch «Meine Bienen. Eine Schneise». In Nürnberg fehlen nun seltsamerweise die Insekten im Titel, summen einem dafür aber, noch bevor die Vorstellung beginnt, aus Lautsprechern fast ein wenig bedrohlich um die Ohren. Ansonsten hat Stefan Otteni das Werk des Österreichers Händl Klaus gegenüber der Uraufführung bei den Salzburger Festspielen 2012...
