Fastfood fatal
«Drei Chinesen mit dem Kontrabass» ertönt es fröhlich von der Werkstattbühne des Theaters Ingolstadt. Zwei Frauen und drei Männer in Trainingshosen und kleinen Kochmützchen sitzen beinebaumelnd am Rand einer engen Vertiefung, wärmen sich für ihren Auftritt auf. Über ihnen, an großen Haken, hängen Küchenutensilien und Zutaten. Die restliche Bühne ist mit Matratzen ausgelegt. Kleine Tischlampen in verschiedenen Farben und Stilen markieren die weiteren Spielorte.
Schon ruft die Arbeit: Die fünf rutschen hinunter in die winzige Küche des Schnell-Restaurants «Der goldene Drache», die Bühnenbildnerin Valentina Crnkovic in der Mitte der Bühne versenkt hat. «Nummer 83 Pad Thai Gai», «Nummer 101 Suki Yaki» schallt es durch den Raum.
Es sind Zerrbilder westlicher Projektion, die hier kochen, braten und servieren. So konsequent wie penetrant ergänzen sie deshalb bei jedem Gericht die Beschreibung aus der Speisekarte: «Gebratenes Rindfleisch mit Morcheln, Bambus und Glasnudeln» etc. – ein geschirrklappernder Begleitchor zu den flapsig erzählten kleinen und großen Dramen, die sich hier und in den Nachbarwohnungen abspielen: Eine junge Frau ist schwanger – eher aus Versehen; ein hohler Zahn ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Hartz-IV-Gesetzgebung erweist sich wieder einmal als Vehikel für den Verlust menschlicher Werte. So jedenfalls erzählt Henriette Dushe ihre Parallel-Geschichte zur Genesis: Einem paradiesischen Urzustand
folgt der Absturz in ein jämmerliches Dahinvegetieren.
Eine heitere Ursprungslandschaft zu Beginn, überquellend von Pflanzenwuchs und allerlei Getier. Hier...
Unlängst war ich am Theater Essen während einer Performance des bildenden Künstlers Jonathan Meese sein Gesprächspartner. Von meiner Rolle als Moderator kann ich nur mit einem gewissen Schweigen in der Stimme sprechen, und doch eröffnete sich eine Form von anregendem Dialog, in dessen Zentrum das gemeinsame Hören und Deuten
verschiedener Kapitel aus Homers...
Jeder ist in seine Tätigkeit versunken, scheint seine Nische gefunden zu haben. Mit Pinsel und Federkiel wird die Erklärung der Menschenrechte, Worte wie «egalité» oder «rights of the human person» auf große Pergamente gemalt. Manche arbeiten im Stehen, einer hockt am Boden über seiner Schrift, ein nächster oben auf einer Leiter. Im Zentrum ein Mann im Frack und...
