Et lux perpetua
Der Mann hat ein gutes Verhältnis zu seinem Bauch. Gemeint ist nicht der Bauch, der bei Klaus Maria Brandauer in den vergangenen Jahren deutlich an Umfang gewonnen hat. Sondern der, der ihn auf der Bühne im richtigen Augenblick das Richtige tun lässt – ein behendes Tänzchen, ein undurchdringliches Lächeln, ein schalkhaftes Schäkern mit dem Publikum. Gemeint ist der Bauch, der ihn auf geheimnisvolle Weise mit den Zuschauern verdrahtet und selbst denen, die Brandauer ekelhaft eitel finden, noch ein Stück Zucker hinwirft, das ihnen Bewunderung abringen muss.
Der Bauch, der ihm mitten im Gespräch mit der Presse meldet: «Wir machen dieses Interview nicht», weshalb schon viele abgebrochene Gespräche und unvollendete Porträts mit und über Brandauer erschienen sind, die ihn vorführen sollen und doch nur dokumentieren, über was für einen sensationellen Instinkt dieser Mann verfügt.
Traumbesetzung
Im vergangenen Jahr schon hat Klaus Maria Brandauer in der Regie Peter Steins den kaiseruntreuen Feldherrn Wallenstein nicht als heroisch Hadernden, sondern als fatalistisches Schlitzohr angelegt und dadurch das zehnstündige Großprojekt vor der gepflegten Ehrfurcht bewahrt. Jetzt inszeniert ...
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Ein gläserner Tunnel liegt wie ein Gedärm in der Maschinenhalle Zweckel/Gladbeck. Und wir darin, ein zähflüssiger Besucherstrom, schieben uns langsam vorwärts ins Halleninnere. Linkerhand stapeln Arbeiter «Marina»-Pflanzenmargarine, dort hinten spielen Mädchen in einem Kabuff Ringelreihen. In die Tunnelwände sind Monitore eingelassen, die das Areal abfilmen. «Man...
Nächste Saison geht Jörg Pohl nach Hamburg. Weg von Zürich. Leider. Denn selten trifft man in einem Theater auf einen jungen Schauspieler wie ihn, von dem man bei der ersten Begegnung denkt: «Klar, hochbegabt», und bei der zweiten: «Hm, vielleicht sogar genial?», und bei der dritten: «Okay, zweifellos genial.» Einen, dem man gerne noch jahrelang zuschauen möchte,...
Es war einmal die Paradedisziplin von Botho Strauß: Paare in ihren nicht mehr ganz frischen Jahren, anmutig überkreuz oder nebeneinander verzwirbelt im Beziehungsdickicht der bundesdeutschen Achtziger. Saturierte Selbstbeobachter schlugen ihre vielfach gebrochenen Spiegelkabinette auf, sorgsam arrangiert vor tragisch mythischen Abgründen. Die Stücke entfalteten...
