Chronik eines unangekündigten Todes
In knapp viereinhalb Minuten ist eine harmlose Freizeitaktivität in etwas Unbegreifliches umgeschlagen, und, so viel sei hier verraten, auch in den restlichen 78 Minuten wird der Zuschauer nichts Weiteres über die Beweggründe dieser seltsamen Tat erfahren.Wüsste man es nicht, man würde gewiss nicht vermuten, dass dieser still forschende, beinahe dokumentarisch anmutende Film vom Autor hochartifizieller Sprach-Spiele wie «Dunkel lockende Welt» oder des bei der diesjähri-gen Ruhrtriennale uraufgeführten, perfid-pädophilen Singspiels «Furcht und Zittern» ist (s. S. 32f.
in diesem Heft).
Eine wahre Geschichte
Und doch lauert auch hier ein typisch Händlscher Abgrund, ein wucherndes Geheimnis, das sich wie ein Rhizom durch das ganz normale Leben in einem Tiroler Dorf frisst. Für sein erstes abendfüllendes Filmprojekt, für das er als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent in Personalunion einsteht, hat sich Händl gleich einen Höchstschwierigkeitsgrad vorgenommen: Erzählt wird eine wahre Geschichte, die in ihrem Kern keiner kennt und die sich vor 15 Jahren in einem Dorf in Südtirol zugetragen hat. Es gibt keinen Abschiedsbrief, keine erkennbaren Probleme oder Konflikte, die ein Motiv ...
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Eine überdurchschnittliche Disposition zum Wahnsinn ist dem Monarchen Lear in Dresden eigentlich nicht anzumerken. Dieter Mann, der am dortigen Staatsschauspiel bereits gastweise als Senior-Feldherr Wallenstein und als altersweiser Religionslehrmeister Nathan aufgetreten war, wirkt bei der anfänglichen Reichsaufteilung unter seinen drei Töchtern eher wie ein...
Aus dem «urschleim» sei «doch immer was geworden», stellt Stamm fest, «vielleicht nich immer wunschprogramm alter, aber immer irgendwas […] n fleck leben im brustkorb». Die Sätze, die Dirk Laucke in «wir sind immer oben» denjenigen in den Mund legt, an denen der Wohlstand vorbeigezogen ist, sind so lebendig, dass sie zu atmen scheinen. Lauckes Sprache ist...
Schreib aber hin, dass ich ein seriöser Autor bin», ermahnt mich Felicia Zeller am Ende unseres Gesprächs, laut lachend: «Schreib nicht hin, macht nur Witze und lacht, das kann ich nicht ausstehen. Oft ist ja das Niveau sehr niedrig, beim Journalisten. Da stehen dann so Sachen drin, welche Farbe die Brille hat und welche Witze ich mach, wenn denn der Witz...
