Essen: Spiel zwischen Leichen
Ein Tunnel aus Nebel windet sich in die Tiefe des Raums. Einzelne Gestalten schälen sich aus dem Dunst, werfen groteske Schatten, beginnen zu tanzen, trudeln in den dunklen Schlund oder werden von ihm ausgespien. Zwischen jeder Szene taucht dieser Spuk erneut auf, wie ein düsterer psychedelischer Trip. Thomas Krupa entwirft in seiner Inszenierung von Noah Haidles «Skin Deep Song» am Schauspiel Essen ein surreales Endzeitszenario in faszinierend verstörenden Bildern.
In dem Stück des New Yorker Theater- und Drehbuchautors hat die Apokalypse bereits stattgefunden, die Schwestern Woden und Mimi streifen durch eine Trümmerlandschaft. Von Ferne tobt der Krieg, «nichts lebt». Ihre Eltern haben sie bei einem Attentat verloren, schleifen aber immer noch ihre Leichen hinter sich her. Um sich ihr Leid erträglicher zu machen, erzählen sie sich Witze oder tauchen in Rollenspiele ein, bei denen sie den Mord an den Eltern durchspielen. Auch den etwas langsamen gleichaltrigen Hal, der in diesem Krieg kämpfen muss (und auch in ihm sterben wird), beziehen sie mit ein. In Rückblenden sieht man sie beim Dauerfeiern mit ihren durchgeknallten Eltern, der Royal Family, die anscheinend den Krieg ...
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Theater heute April 2013
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Natalie Bloch
In den 1970er Jahren habe ich ihn eine Weile gekannt (und ich glaube, ich kannte ihn gut), und nur von dieser Zeit will ich hier erzählen. Es war die Zeit, als Jérôme Savary, der Franzose aus Argentinien, mit dem «Grand Magic Circus et ses Animaux Tristes», also dem Zauberzirkus mit den traurigen Tieren, die Enthusiasten beglückte. Nicht allein in Paris. Die Leute...
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