Erkundungen für den Goldrahmen
Die Legende erzählt, dass die ersten Dramaturgen ihre Büros in vergessenen Dachzimmern hatten. Wenn jemand im Theater mal eine Frage zum Text hatte, musste er sich durch lange Korridore und über Hintertreppen von Etage zu Etage durchfragen, um dann eine scheue Kreatur beinverknotet in alten Texten vertieft vorzufinden, die prompt Antwort wusste. Allerdings vergaß der Bote, meistens ein Praktikant, auf dem langen Weg zurück zur Probebühne, was der Dramaturg gesagt hatte.
Der Regisseur als Redakteur: Stefan Kaegis Rimini Protokoll
Heute sind Dramaturgen näher dran an den Probenprozessen. Als Produktionsdramaturgen begleiten sie das künstlerische Team und die Schauspieler von der Konzeption bis zur Umsetzung eines Theaterabends. Dramaturgenbüros sind heute vor allem Kommunikationsräume. Manchmal hat man das Gefühl, Zeuge einer Spezialkonferenz zu sein. Vor allem dann, wenn ein Dokumentarspezialist wie Stefan Kaegi (Rimini Protokoll) und seine Recherchetruppe die Räume belagern. Sie arbeiten in mobilen Büros mit Laptop und Handy, telefonieren und versuchen, Kontakte herzustellen zu sogenannten «Experten des Alltags», deren Biografien bzw. Erzählungen den Zuschauern einen ...
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