Spiele der Selbstüberlistung
Im Probenraum trifft Arbeit auf Kunst. Dieser Ort ist meistens leidlich beheizt, unaufgeräumt und befindet sich in einem Industriegebiet am Rande der Stadt. Die Theaterleute fahren dort hin, nicht morgens um 7.00 Uhr, sondern gegen 10.00 Uhr oder etwas später, wie seinerzeit die Arbeiter, die dort Maschinen gewartet, Autos gebaut und das Bruttosozialprodukt gesteigert haben. Zu Beginn der Probe versammelt sich die Mannschaft aus Spielern, Assistenten, Ausstattungskünstlern und dem Regisseur, der Regisseurin. Die Probe beginnt meistens vor der Probe.
Der Übergang aus der Welt des Straßenverkehrs, der Kinderkrankheiten, Steuerklärungen, der gestrigen Vorstellung und allgemeinen Wehwehchen in die Welt der Kunst muss nun, damit die Probe überhaupt beginnen kann, vollzogen werden. Zögerlich meist und mit mäßigem Filterkaffee und ein paar belegten Brötchen synchronisieren sich die Gemüter bei Gesprächen über Gott und die Welt.
Irgendwann sind alle «warm» geworden, der Alltag ist etwas weiter entrückt, man beginnt, den Stücktext gemeinsam zu lesen. Verständnisfragen werden gestellt, was heißt ein bestimmtes Wort, wie ist eine ungewöhnliche Wendung zu verstehen. Und wie ...
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An was ich mich an meisten erinnere, wenn wir «Onkel Wanja» spielen, das sind die Wiederaufnahmeproben vor genau einem Jahr im Haus der Berliner Festspiele. Über ein halbes Jahr hatten wir das Stück nicht gespielt, Gosch hatte gerade «Die Möwe» herausgebracht, und sein Gesundheitszustand war deutlich schlechter geworden. Mein Respekt, wieder vor seinen Augen zu...
Es muss ein Versprechen im Theaterspielen geben, das extreme Widerstandskräfte ausbildet. Wie sonst hält es ein Mensch aus, permanent vom Urteil anderer abhängig zu sein, sich lebenslang Kritik und verletzenden Bemerkungen auszuliefern? Was macht den Schauspieler immun gegen Misserfolge, die er sich nicht erklären kann? Wie schützt er sich gegen Verzweiflung, wenn...
Schwer zu sagen, ob es sich bei dem virtuellen Star, der da hingebungsvoll über die Bühne der Kaserne Basel rockt, eher um eine Raubkopie von Robbie Williams oder um einen Michael-Jackson-Reinkarnationsversuch handelt. In jedem Fall ist der elastische junge Mann nicht umsonst mit dem entsprechenden Namen «Chris Crocker» gestraft: Das Regie-Trio Victor Moser, Elia...
