Erinnerungen: Utopie des herrschaftsfreien Verlags
Karlheinz Braun, 1932 in Frankfurt am Main geboren und dort noch immer lebend, hat sein Herz und sein Leben dieser Stadt, ihren Theatern und Kultureinrichtungen geöffnet und es als junger Regisseur und Schauspieler, dann als Leiter des Theaterverlags Suhrkamp und schließlich als Gründer und Delegierter des Theaterverlags der Autoren ganz an seine Autoren verloren.
Rechtzeitig zu dem im Juni 2019 zu feiernden fünfzigjährigen Jubiläum dieses Theaterverlags, der eine umfangreiche Chronik mit Dokumenten und Texten seiner Autoren publizieren wird, hat Karlheinz Braun sein «Leben mit Autoren» erzählt und dieses Erinnerungsbuch «Herzstücke» genannt.
Aufregender als Hilmar Hoffmann und liebevoller als die von Frankfurt begeisterten Romanautoren Andreas Maier oder Martin Mosebach schildert Braun die Mainstadt als seine Talente und Interessen stimulierendes Aphrodisiakum, deren Aura alle Schwierigkeiten in glückliche Wenden und beflügelnde neue Aufgaben verwandelte. In sieben Lebensabschnitte unterteilt, gelingt es dem Erzähler, sein Leben als eine chronologisch strukturierte, das politische Zeitgeschehen nie ausblendende deutsche Theater- und Kulturgeschichte der sieben Jahrzehnte nach dem ...
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Theater heute November 2019
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Klaus Völker
Er hatte schon im Vorfeld seinen Respekt vor dieser Bühne kundgetan, ihrer Größe, ihrer Tiefe, ihrer Geschichte. Thorleifur Örn Arnasson, der 41-jährige isländische Regisseur, dessen Name spätestens seit seiner hannoverschen Mythenüberschreibung «Edda» 2018 (die er jetzt fürs Burgtheater aktualisiert) in Theaterkreisen zirkulierte, wusste, was er sich antat, als er...
Wie bremst man ein Stück aus, das noch nicht einmal ein bisschen Fahrt aufgenommen hat? Indem man es gar nicht richtig anfangen lässt. Pinar Karabulut jedenfalls entscheidet sich bei der Uraufführung von Mehdi Moradpours «Attentat oder Frische Blumen für Carl Ludwig» dafür, mit zehn Minuten rituellem Nichtstun zu beginnen. Vier Gestalten in goldglänzenden...
Es beginnt märchenhaft. Das erste Bild von Thomas Heises neuem Film «Heimat ist ein Raum aus Zeit» ist die langsame Bewegung nach oben, einen grünen Pfahl entlang, der auf Waldboden steht. Am Ende des Pfahls ist ein Schild angebracht mit den Worten: «Nach der Legende stand hier Großmutters Haus.» Was dann folgt, ist allerdings keine Fabel, sondern Dokumentarismus...
