«Empörung hilft uns nicht weiter»

Die Intendanten Hasko Weber (Cottbus) und Joachim Klement (Dresden) nach den Angriffen auf die Theater in Weimar und Magdeburg

Theater heute - Logo

In Weimar hat im November die AfD-Fraktion das Nationaltheater durch eine kleine Anfrage im Stadtrat dessen Finanzierung in Frage gestellt. Anlass war ein Podcastgespräch der Zeitschrift «BackstageClassical», in dem DNT-CO-Leiter Valentin Schwarz gesagt hatte: «Als Theater sind wir nicht dafür da, eine herrschende Stimmung nur zu reproduzieren, sondern wir müssen eine Position einnehmen. Wir müssen sagen: Wir stehen für eine offene, freiheitlich demokratische Ordnung und Grundverfassung.

» Daraus machte die AfD in ihrer Anfrage eine ausdrückliche Stimmungsmache des Theaters gegen ihre Partei und interpretierte dies wie auch eine Veranstaltung «Gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus in Thüringen» als Verstoß gegen das Neutralitätsgebot.

Ebenfalls im November fand in Magdeburg eine «Mahnwache» vor dem Opernhaus statt, um gegen ein noch gar nicht geschriebenes und aufgeführtes Theaterstück am Schauspiel zu protestieren, das sich mit dem Amoklauf auf dem Weihnachtsmarkt 2024 befassen will. Dabei präsentierte ein Teil der Demonstrierenden ein Banner mit der Aufschritt «Remigration rettet Menschenleben»; die Theaterleitung geht davon aus, dass verschiedene rechtsextreme Gruppen daran ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Redaktion

Weitere Beiträge
Die universelle Verrohungserzählung

Hart ist gar kein Ausdruck für die Welt, in die die namenlosen Zwillingsjungen aus Ágota Kristófs Roman «Das große Heft» geworfen werden. Es herrscht Krieg, und ihre Mutter bringt sie, um ihre Überlebenschancen zu erhöhen, aus der bombardierten Stadt ins Dorf zur Großmutter. Deren Empathie hält sich in derart engen Grenzen, dass allein schon der Gebrauch dieser...

Die alte und die neue Zeit

Als «Zauberformel» bezeichnen die Schweizer:innen das eingespielte Proporzverhältnis im Bundesrat, der Regierung, mit abgezählten Sitzen für die wichtigsten Parteien. Sie garantiert die typische helvetische Verlangsamung der Prozesse und eine gewisse Stabilität der Verhältnisse. Dass es um Letztere gleichwohl nicht zum Besten steht, weiß allerdings jedes Kind....

Mit und ohne Gegenstand

Tschechow-Inszenierungen kämpfen immer gegen die Atmosphäre, den elegischen Tschechow-Ton, die versteckte Symbolik der Dinge, den Samowar in der Ecke. Itay Tirans Inszenierung von «Onkel Wanja» im Schauspiel Köln gewinnt diesen Kampf souverän. Das Stück über die Perspektivlosigkeit der russischen Intelligenzia vor der Oktoberrevolution wird skelettiert. Übrig...