Elfriede und die sieben Zwerge
Das typische Jelinek-Stück ist erstens eine überlange Textwüste, enthält zweitens keine Dialoge, bringt drittens einen klassischen Stoff mit einem aktuellen Thema zusammen und enthält viertens auch noch ein Selbstporträt der Autorin.
«Schatten (Eurydike spricht)» ist ein typisches Jelinek-Stück. In einem riesigen Monolog schließt Jelinek den antiken Orpheus-Mythos mit dem Star-Kult von heute kurz. Orpheus, der hier immer nur «der Sänger» genannt wird, ist Popstar. Eurydike war Autorin und Fashion Victim. Jetzt ist sie buchstäblich nur noch ein Schatten ihrer selbst.
Sie ist in der Unterwelt und eigentlich will sie gar nicht mehr zurück. Sie ätzt über die jungen weiblichen Fans ihres Mannes («furchtbare Schreie aus ihren dummen, nach Zahnpasta riechenden Fischmäulern») und relativiert dessen Trauer. Der Narzisst habe sich bloß sein Objekt – also sie – «zu hoch gehängt». Fazit: «Der Abschied von meinen Kleidern ist fast schlimmer als der vom Sänger.»
Elfriede Jelinek hat «Schatten» für ein spartenübergreifendes Orpheus-Projekt der Philharmonie Essen geschrieben, wo der Text voriges Jahr als szenische Lesung mit Johanna Wokalek uraufgeführt wurde (s. TH 10/12). Im Akademietheater fand ...
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Theater heute März 2013
Rubrik: Chronik: Wien Akademietheater, Seite 51
von Wolfgang Kralicek
Es ist wie ein Besuch in einer basisdemokratisch geführten politischen Wohngemeinschaft: Eigentlich wollte man zwei Leute aus der WG zu einer Party einladen. Ganz naiv, ohne sich etwas dabei zu denken. Und nun, am Gemeinschaftsküchentisch sitzend, stellt sich doch ein schlechtes Gewissen ein: Warum hat man nicht gleich alle eingeladen? Warum spaltet man die...
Als es im syrischen Krieg noch Hoffnung gab, machte ein Video-Appell an Diktator Bashir al-Assads schöne junge Frau Asma die Runde: «Wenn deine Kinder fragen, was du getan hast, um das Blutvergießen zu stoppen, was wird deine Antwort sein?», fragten darin die Ehefrauen zweier Diplomaten und sammelten Unterschriften von zig-tausenden Kriegsgegnern. Asma al-Assads...
Alceste hat eine Portion üble Laune gefrühstückt. Jetzt kotzt er sich aus. Gründlich, wenn auch ohne Grund. Einen Anlass braucht Alceste nicht, prinzipielle Abscheu gegen Freund und Feind genügt völlig, nicht umsonst ist er als Molières «Menschenfeind» bekannt.
Michael Maertens hat für seinen Zürcher Alceste die Misanthropie in der Tat in sich hineingefressen....
