Wasser bis zum Hals

Judith Schalansky «Der Hals der Giraffe» (U)

Theater heute - Logo

Irgendwo in der vorpommerschen Tiefebene. Sie ist Biologie-Lehrerin in einer Schule, der allmählich die Schüler ausgehen. Die eigene Tochter hat sich in Richtung amerikanische Westküste davongemacht, der Gatte züchtet Strauße, in der Schule aber hält Inge Lohmann die Zügel immer noch fest im Griff. Es ist schon erstaunlich, wie konsequent die gelernte Darwinistin vor sich hin monologisiert und jedes menschliche Wesen analysiert, als werde eine Fruchtfliege seziert. Letztes Jahr landete Judith Schalanskys Roman «Der Hals der Giraffe» auf der Longlist des deutschen Buchpreises.

Würde er auch auf der Bühne des Schauspiels Frankfurt punktlanden, wo man sich entschlossen hatte, den «Bildungs­roman» zu dramatisieren?

Im Roman sind sie nur Objekte des Lohmann-Blickes: die junge Kollegin etwa, diese dumme Laissez-faire-Lehrerin, oder die einzig interessante Schülerin, die Erika, zu der die Biologie-Lehrerin sich hingezogen fühlt. Mit solchen Figuren ließe sich der Monolog der Lohmännin beleben, Regisseur Florian Fiedler aber findet eine im ersten Moment so einfache wie überzeugende andere Lösung. Er hat den Text zusammen mit der Dramaturgin Anita Augustin stark gekürzt, dezent neu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2013
Rubrik: Chronik: Frankfurt Schauspiel, Seite 47
von Jürgen Berger

Weitere Beiträge
Shakespeare widerlegt!

Zuletzt hatte er viele Jahre lang einen Parkplatz über dem Kopf. Dabei war sein letzter Satz laut Shakespeare «Ein Königreich für ein Pferd». Selbst für Freunde des englischen Humors geht das ein bisschen weit.

Richard III. ist nicht nur der berühmteste Königsschurke des elisabethanischen Theaters, er hatte auch ein reales Vorleben. In Sachen Kriegshandwerk hielt...

Trauma und Ehre

«Minna von Barnhelm» ist gleichsam eine knappe (einen Tag währende) psychoanalytische Kur, die das sächsische Edelfräulein am widerstrebenden Major Tellheim praktiziert: Was hat es denn mit dessen Kriegs-Traumatisierungen wirklich auf sich, wie sehr ist er «verkrüppelt», ein «Bett­ler», «unglücklich», und ist es denn wahr, dass «ein Unglücklicher gar nichts lieben...

Die Kinder sind weg

Die Putzfrau mal schnell ein Ciabatta für die Mittagspause kaufen schicken und sich dann nicht mal für diesen Extra-Dienst bedanken – im Gegensatz zu seinem schlecht gelaunten Kompagnon in der auf In-Vitro-Fertili­sation spezialisierten Privatklinik würde Sebas­tian so etwas niemals tun. Der geschiedene Arzt behandelt seine bulgarische Reinigungskraft Jana mit...