«Eines Tages wissen wir»
Gott hat es nicht leicht in anglophonen Theaterstücken. Zumindest der Engländer Simon Stephens und der Ire Enda Walsh bringen in ihren aktuellen Werken in der Hauptsache Beweise gegen seine Existenz vor. Ein Kind stirbt, weil es beim Spielen von einer Klippe fällt. Ein obszöner Vater wird von einem unbekannten Sohn getötet. Familien zerfallen, Selbstmorde und Verzweiflung lauern hinter bröckelnden Fassaden, kein metaphysischer Sinn spendet Trost.
Eine leise Katastrophe: «Steilwand»
Allerdings ist das Elend nicht auf die britischen Inseln begrenzt, sondern ein grenzüberschreitendes Projekt. Walsh bemüht russische Traditionen, sehr frei hat er Dostojewskis letzten Roman «Die Brüder Karamasow» adaptiert. Stephens hat das Unglück an den Sehnsuchtsort Südfrankreich verlegt. Etwas irreführend ist dabei die Titelübersetzung seines Stücks. «Sea Wall» heißt es im Englischen, «Steilwand» hat die deutsche Übertragung von Barbara Christ daraus gemacht. Die hochalpine Kulisse, die sich bei diesem Titel anbietet, hat allerdings nichts mit Stephens’ Ferien-am-Meer-Szenerie zu tun. Zwar ist sein Protagonist Alex beim Tauchen mit dem Schwiegervater überrascht von den steilen Abhängen, die das Meer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Noch küssen die Gatten sich, schon hat er das Kleenex in der Hinterhand, um sich die ekligen Blutspuren vom Mund abzuwischen. Bald wird sie ihm das Blut aufs makellos weiße Hemd spucken. Alkestis muss sterben, sie tut es nicht gern. Apoll hat für Admet erwirkt, dass er einen Stellvertreter zu den Toten schicken kann. Niemand hat sich dafür bereit gefunden, der...
So flott geht’s nicht mal bei Thalheimer: In gerade mal 70 Minuten ist «Faust I» abgehakt, vom Studierzimmer bis zum Kerker, von «Habe nun, ach …» bis «gerettet». Schließlich will man in insgesamt gut zweieinhalb Stunden nicht nur beide Teile von Goethes Tragödie durchmessen, sondern auch noch das Faust-Gedicht von Nikolaus Lenau, das zwischen 1833 und 1836 gezielt...
Vielleicht erklärt die alte Cécile aus «Quai West» an diesem langen, dunklen Abend am besten, was Andrea Breth mit ihrer Inszenierung ausdrücken wollte. Sie fühle sich, sagt die Nachfahrin von Inka-Indianern, «wie eine Fliege, die im Schrank eingesperrt ist und am Ende des Tages stirbt, ohne dass der Schrank auch nur einen Spaltbreit aufgegangen wäre».
Aus Mexiko...
