Eine Grenzbegrenzung

Hofmann&Lindholm lädt mit der Aktion «Keep the cat in at night» dazu ein, das Bochumer Museum allein bei Nacht zu erkunden

Theater heute - Logo

Das Angebot kam per Brief: in ein Museum bei Nacht einsteigen, mit der Taschenlampe durch dessen dunkle Räume gehen. Alleine, aber beobachtet von Sicherheitskräften. Sich umzudrehen und die Sicherheitskräfte zu beobachten, ist verboten. Wer das Verbot übertritt, beendet damit schlagartig die Performance-Installation.

Und hier stehe ich nun vor einer Seitentür des Bochumer Kunstmuseums. Gut instruiert vom Künstler:innenduo Hofmann&Lindholm, wie ich hineinkomme. Der Strahl meiner Taschenlampe streift Reflektoren auf den Westen von Sicherheitskräften.

Ich mühe mich nach Kräften, nichts von ihnen zu sehen, da ich die halbe Stunde ja möglichst in Gänze auskosten will. Ich beleuchte eine Glaswand, hinter der die Bibliothek des Museums zu sehen ist, und stoße auf Kunstwerke der Gruppe KOBRA, von Ernst Nay, Sonderborg, Günther Uecker. Das Joseph Beuys-Porträt im Stil Andy Warhols stammt tatsächlich von ihm. Und dann stehe ich sprachlos vor einem Gemälde von Francis Bacon. Wie riskant, ja grob fahrlässig ist, was ich hier soeben machen darf? Alleine vor einem Ausstellungsstück stehen, das auf Auktionen 50 Millionen Dollar und mehr brächte.

Aber es stimmt ja nicht. Eine Gruppe begleitet ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2024
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Nikolaus Müller-Schöll

Weitere Beiträge
Gemeinsames Erleben stiften

Bernhard Stengele kommt vom Theater und war von 2012 bis 2017 Schauspielspieldirektor in Altenburg/Gera. Das Mitglied der Grünen wurde ab 2020 Landessprecher der Partei in Thüringen und nach einem Personalwechsel im Februar 2023 Umweltminister und stell -vertretender Ministerpräsident in Thüringen, worüber er in «Theater heute» 10/23 ausführlich gesprochen hat....

Gemeinschaft im Schrecken

Besonders ausgeprägte Feierstimmung herrscht nicht bei der Eröffnung des Internationalen Sommerfestivals im Hamburger Produktionshaus Kampnagel. Kurz vor Festivalstart wurde bekannt, dass die Bundesregierung den Etat des Fonds Darstellende Künste im künftigen Haushalt um 46 Prozent kürzen wolle, was insbesondere das Bündnis Internationaler Produktionshäuser – und...

Fortschreitende Abstraktion

Also! Wir gehen? – Gehen wir!» Sie gehen nicht von der Stelle. So endet Samuel Becketts «Warten auf Godot». Sie sind doch gegangen in Bochum, in Ulrich Rasches Inszenierung, und wie! Fast vier Stunden lang schleichen Vladimir und Estragon auf den unmerklich die Richtung wechselnden Drehscheiben dahin. Ja, sie kommen nicht von der Stelle. Und dass sie dennoch gehen,...