Eine Grenzbegrenzung
Das Angebot kam per Brief: in ein Museum bei Nacht einsteigen, mit der Taschenlampe durch dessen dunkle Räume gehen. Alleine, aber beobachtet von Sicherheitskräften. Sich umzudrehen und die Sicherheitskräfte zu beobachten, ist verboten. Wer das Verbot übertritt, beendet damit schlagartig die Performance-Installation.
Und hier stehe ich nun vor einer Seitentür des Bochumer Kunstmuseums. Gut instruiert vom Künstler:innenduo Hofmann&Lindholm, wie ich hineinkomme. Der Strahl meiner Taschenlampe streift Reflektoren auf den Westen von Sicherheitskräften.
Ich mühe mich nach Kräften, nichts von ihnen zu sehen, da ich die halbe Stunde ja möglichst in Gänze auskosten will. Ich beleuchte eine Glaswand, hinter der die Bibliothek des Museums zu sehen ist, und stoße auf Kunstwerke der Gruppe KOBRA, von Ernst Nay, Sonderborg, Günther Uecker. Das Joseph Beuys-Porträt im Stil Andy Warhols stammt tatsächlich von ihm. Und dann stehe ich sprachlos vor einem Gemälde von Francis Bacon. Wie riskant, ja grob fahrlässig ist, was ich hier soeben machen darf? Alleine vor einem Ausstellungsstück stehen, das auf Auktionen 50 Millionen Dollar und mehr brächte.
Aber es stimmt ja nicht. Eine Gruppe begleitet ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2024
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Nikolaus Müller-Schöll
Dass die Salzburger Festspiele kein ganz gewöhnliches Theaterfestival sind, war selten so deutlich wie in diesem Jahr. Die wichtigste Produktion im Schauspielprogramm, der «Jedermann» auf dem Domplatz, steht seit der Gründung der Festspiele vor mehr als 100 Jahren auf dem Spielplan. Die anachronistische Kuriosität wird inzwischen kaum noch ernsthaft in Frage...
Ein Windhauch weht durch die bunten Girlanden über der Freilichtbühne der Jenaer Kulturarena, während das siebenköpfige Ensemble vom Bühnenrand leise sein Good-bye singt. Und dann fängt es auch noch an zu regnen. Ein etwas kitschiger Abgang. Doch es wäre nicht das Jenaer Ensemble, wenn es so gehen würde. Also noch einmal anders: Good-bye in Krautrock-Manier. Es...
Ein irre lautes, explosionsartiges Wellen-Donnern, ein greller Blitz, der die Netzhaut flackern lässt: Die britische Singer-Songwriterin Anna Calvi entfesselt schon in ihrer Ouvertüre zu Robert Wilsons «Moby Dick» ein musikalisches Live-Inferno erster Güte. Während nichts als die gigantische Projektion eines aus grauen Wellen hervorschießenden Wals die Finsternis...
