Ein Vivat: die Sieger des Jahres
… der ausgleichenden Gerechtigkeit, mit der unsere 39 Kritiker in diesem Jahr gleich vier Theater aus Hauptstadt, Nord, Süd und Ost, A- und B-Liga zum Theater des Jahres erkoren. Kopf an Kopf mit je fünf Stimmen laufen ein: Bernd Wilms’ kulturpolitisch heftig umkämpftes und schlussendlich wiedererrungenes Deutsches Theater in Berlin, Frank Baumbauers Münchner Kammerspiele, letztes Jahr noch auf Platz 3, die Neue Bühne Senftenberg in Sewan Latchinians erster und das Deutsche Schauspielhaus Hamburg in Tom Strombergs letzter Spielzeit.
Gratulation! Zwei Sieger gibt es bei der Inszenierung des Jahres: Je sechs Kritiker zeigten sich überzeugt von Stefan Puchers Pop-Shakespeare «Othello» am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und von Dimiter Gotscheffs Depressionsstudie «Iwanow» an der Berliner Volksbühne, für dessen nebelumwölktes Bühnenbild Katrin Brack zum zweiten Mal in Folge und mit fünf Stimmen zur Bühnenbildnerin des Jahres gewählt wurde, knapp platziert vor Barbara Ehnes’ Hamburger «Othello»-Glamour und Jens Kilians Zürcher «Elementarteilchen»-Minimalismus für Johan Simons mit je vier Stimmen.
In beiden Lieblingsinszenierungen dieser Spielzeit brillierte der zweitplatzierte ...
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Mitten in der Nacht wacht ein Mann aus tiefem Schlaf auf. In seiner Küche findet er eine ihm unbekannte Frau vor, die behauptet, mit ihm verheiratet zu sein. Weder durch höfliche Worte noch durch die Androhung von Gewalt kann er sie dazu bringen, seine Wohnung zu verlassen. Erst als ihm Beweise vorgelegt werden, dass der Irrtum auf seiner Seite liegen muss, kommt...
Der Wärmetod, dem nicht nur laut Lukas Bärfuss unser Universum unvermeidlich entgegensteuert, erscheint an diesem Zürcher Sommertag geradezu greifbar. Das Thermometer zeigt satte 38°C an, kein Lüftchen weht, und selbst im schattigen Hof des Schweizer Landesmuseums steht den Servicekräften, die gemächlich eine Armada von Champagnergläsern nachpolieren, der Schweiß...
Der Wunsch, einen eigenen Tod zu haben, wird immer seltener. Eine Weile noch, und er wird ebenso selten sein wie ein eigenes Leben. Man stirbt, wie es gerade kommt; man stirbt den Tod, der zu der Krankheit gehört, die man hat (denn seit man alle Krankheiten kennt, weiß man auch, dass die verschiedenen letalen Abschlüsse zu den Krankheiten gehören und nicht zu den...
