Ein verdammtes Ding nach dem anderen
«Wie alles endet» am Theater Basel beginnt am Ende und endet in der Mitte. Zu Beginn versuchen drei Frauen, den sich schließenden Vorhängen zu entkommen. Am Ende steigen sie souverän über die Vorhangstangen hinweg und konsta -tieren: «Wir stecken in der Mitte fest.» Die drei sind zusammengekommen, weil in zwei Stunden die Welt untergeht und sie nicht wissen, was sie bis dahin tun sollen. Sie sind keine Charaktere, keine Figuren, eher drei Seiten einer Seele. Sind, so zeigt sich später, drei Stimmen im Kopf einer Frau, die im Hungerstreik liegt.
Zunächst bricht die Geschichte dieser Frau wie ein Fremdkörper aus dem Off, halb gesungen, halb gesprochen, metallisch-verfremdet. Zunehmend verwandeln die drei sich diese Stimme an, führen ihre Geschichte aus, begründen die radikale Aktion. Sie verweigert das Essen, weil es ihr nicht mehr schmeckt. Die Chicken Wings – nur Gift. Der Reis – nur Plastik. Sie wird bewacht, liegt gefesselt, ein Plastikschlauch in der Speiseröhre, denn sie wird zwangsernährt. Der Tod wird nicht kommen. Wie es weitergeht? «Es ist alles wie immer», stellt sie abschließend fest, gerade aus dem Koma erwacht.
Endzeitvorstellungen seien eine Erfindung des westlichen ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Valeria Heintges
Ein Mann sitzt auf dem Boden vor einem flachen Tisch mit verschiedenen Bechern und Kännchen. Hinter ihm durch die offene Fensterfront die Veranda, ein Gemüsegarten, der Himmel. Zhao Chuan bereitet seinen Tee schluckweise zu, gießt Wasser in den einen Becher, legt einen Deckel darauf, wartet, filtert in einen anderen Becher, trinkt einen Schluck. Und wieder von...
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