Ein Mann seiner Zeit
Eine seiner Geschichten, die er öfter erzählte, als ihr unbedingt gut tat, war der Stuka-Angriff auf den Hafen von Malta, wo die englischen Kriegsschiffe lagen: Wie sich der Bomber mit drohendem Geheul auf die Stadt stürzte, wie die Menschen auf dem Marktplatz als kleine Ameisen panikartig auseinanderspritzten, wie der Pilot die Maschine im letzten Moment wieder hochzog, im Rücken dann die Wucht der Explosionen.
Hübner, von Göring persönlich dekorierter Oberleutnant, saß als Kriegsberichterstatter im Flugzeug und erzählte später davon (wie von seinen drei mit Glück überlebten Abschüssen) mit einer Mischung aus Bravour und Schaudern. Die Bilder waren lebendig, sie blieben nicht spurlos.
Wenn man ihm später gegenübersaß in seinem Berliner Intendantenzimmer – ich war Dramaturg dort während seiner letzten Jahre –, gab er seinen Erinnerungen von Malta über El Alamein nach Stalingrad nebst eingestreuten Theateranekdoten – mit Käte Dorsch zum letzten Zug vom Fronturlaub – etwas unverwundbar Münchhausenhaftes, aber man wollte lieber nicht dabeigewesen sein.
Kurt Hübner, geboren am 30. Oktober 1915 in Hamburg, Sohn eines hohen Hamburger Senatsbeamten, der seine Frau nach fünf Jahren verließ ...
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