Die fantastischen Vier
Nehmen wir Nemo. Jules Vernes U-Boot-Kapitän ist eine dieser Ausnahmefiguren, denen das Kunststück gelungen ist: abtauchen in den Schallwellen der Musik und zwar restlos. Die Außenwelt aussperren, dem Diktat von Raum und Zeit entwischen. Eine Art trockenes Ertrinken ist das. Das Diesseits macht mal Pause, das Bewusstsein ist vom Wohllaut erfüllt und sich selbst genug.
Nur der Körper, der kann mal wieder nicht folgen, ist gefangen im Räumlichen, vielleicht in einem abgewohnten Salon mit ulkigem Mobiliar, allerlei tantenhaften Bordüren und Hussen, Stoffbesätzen um Konzertflügelbeinen, geheimen Wandschubladen und einer Tapete, an deren Dessin auch ein besonders ornamentaler LSD-Trip schuld sein könnte.
Singen ist der Zweck des Abends, und sonst gar nichts. Und Singen geht überall, auch 20.000 Meilen unter dem Meer, auch in einer «Huis-Clos»-Situation und selbst in einem versunkenen «Salon wider die Gegenwartsschrumpfung», der keineswegs zufällig an Verne und Sartre erinnert und den Clemens Sienknecht erfunden hat, für seinen «allerletzten Liederabend» am Theater Basel der ausklingenden Schindhelm-Intendanz. Warum die Produktion «Früher wird alles besser» heißt, bleibt ungeklärt. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der ideelle Gesamtschwabe arbeitet gerne und viel, betet fromm und pflegt einen Drang zum Höheren. Da er dieses Höhere aber gut radikalprotestantisch in der innerweltlichen Pflichterfüllung sieht, geht das alles gut zusammen, und er arbeitet sich in spiritueller Fröhlichkeit den Arsch ab. Für diesen Zusammenhang aus Arbeit und Spiritualität, ja aus stumpfer,...
Es ist die Geburt des Theaters aus dem Papier, und sein Erfinder ist einer, zwei, viele, nacheinander, übereinander, gleichzeitig in rasendem Tempo – seine Reise durch die Popwelt dauert 90 Minuten, und ein paar Opern und beseelte Gemälde fallen auch noch dabei ab. Ennio Marchetto heißt der Wundermann, er kommt aus Venedig und ist ein Kind des Karnevals. «Damals»,...
Als Johan Simons begann, Theater zu machen, bestand er darauf, seine Aufführungen stets außerhalb der festen Häuser zu zeigen. Seine Gruppe Hollandia spielte überall dort, wo Theater nicht hinpasste, in Wohnungen und Hühnerställen, in Gewächshäusern und auf dem Acker, in verrotteten Fabriken und postmodernen Bürokomplexen. Aus der Not, keine eigene Bühne zu haben,...
