Die fantastischen Vier
Nehmen wir Nemo. Jules Vernes U-Boot-Kapitän ist eine dieser Ausnahmefiguren, denen das Kunststück gelungen ist: abtauchen in den Schallwellen der Musik und zwar restlos. Die Außenwelt aussperren, dem Diktat von Raum und Zeit entwischen. Eine Art trockenes Ertrinken ist das. Das Diesseits macht mal Pause, das Bewusstsein ist vom Wohllaut erfüllt und sich selbst genug.
Nur der Körper, der kann mal wieder nicht folgen, ist gefangen im Räumlichen, vielleicht in einem abgewohnten Salon mit ulkigem Mobiliar, allerlei tantenhaften Bordüren und Hussen, Stoffbesätzen um Konzertflügelbeinen, geheimen Wandschubladen und einer Tapete, an deren Dessin auch ein besonders ornamentaler LSD-Trip schuld sein könnte.
Singen ist der Zweck des Abends, und sonst gar nichts. Und Singen geht überall, auch 20.000 Meilen unter dem Meer, auch in einer «Huis-Clos»-Situation und selbst in einem versunkenen «Salon wider die Gegenwartsschrumpfung», der keineswegs zufällig an Verne und Sartre erinnert und den Clemens Sienknecht erfunden hat, für seinen «allerletzten Liederabend» am Theater Basel der ausklingenden Schindhelm-Intendanz. Warum die Produktion «Früher wird alles besser» heißt, bleibt ungeklärt. ...
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Die Führung beginnt beim «Führerdenkmal». Erinnert wird hier aber nicht an Adolf Hitler, sondern an Joseph Beuys. In dem kleinen Raum liegt ein riesiger Kopf, die vergrößerte Nachbildung der «Original-Totenmaske» des Künstlers. Eine Wand des Zimmers stellt die Berliner Mauer dar, es liegen Butterziegel drauf. Im weit aufgerissenen Mund des toten Beuys befindet...
In seinem 1932 erschienenen Roman «Von drei Millionen drei» lässt Leonhard Frank («Links wo das Herz ist»), der «Gentleman» (Fritz Kortner) der deutschsprachigen Exil-Literatur, ein durch Hoffnungslosigkeit zusammengeschweißtes Freundes-Trio die Heimatstadt Würzburg und später das Land, in dem man «sicher nur zugrunde gehen kann», verlassen. Sie fliehen vor Armut...
Am Anfang kam das Theater ins Radio. Alfred Braun, Rundfunkpionier in den zwanziger Jahren und der erste deutsche Hörspielregisseur, hat die Urszene rückblickend immer wieder gern beschrieben: Wie sein Ensemble buchstäblich mit Pauken und Trompeten durch die Flure und Treppenhäuser im Berliner «Voxhaus» zog, vorbei an den Büros von Agenturen und Anwaltskanzleien....
