Ein manifestes demokratisches Problem
Meine Leitfrage ist: Bewegen wir uns 25 Jahre nach dem Ende der bipolaren Weltordnung und nach der dazwischenliegenden Periode, die von vielen Theoretikern auch als neue Weltunordnung bezeichnet wurde, wieder auf einen dominanten Dualismus zu? Meine Hypothese ist, dass diese neue bipolare Bruchlinie sich in den Innenraum der europäischen Gesellschaften verlagert hat und an der Frage von Migration und der Einstellung dazu ausrichtet.
Es geht nicht mehr um einen Konflikt zwischen dem Westen und der islamischen Welt, sondern um einen akuten Konflikt zwischen Europa und sich selbst.
Zwischen dem Selbstbild Europas als offene, aufgeklärte, demokratische und tolerante Gesellschaft, das sich nicht deckt mit den Realitäten des Finanzkapitalismus, der Ungleichheit, der Abwehr, der neuen Grenzziehung, der Intoleranz und des ansteigenden Rechtspopulismus, der diese Gesellschaften derzeit prägt.
Die Frage des Umgangs mit Migration ist daher eine Chiffre für die große Frage danach, ob wir wirklich sind, was wir vorgeben, glauben oder wünschen zu sein, ethisch-moralisch, demokratie-theoretisch und identitär. Und es ist eine Chiffre für die Frage nach der Verwobenheit Europas in globale ...
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Theater heute April 2016
Rubrik: Essay, Seite 40
von Naika Foroutan
Wenn der Regisseur Kriegenburg und der Bühnenbildner Kriegenburg auf Franz Kafka treffen, darf man auf eine kreative Kollision hoffen. Die kam jedenfalls 2008 an den Münchner Kammerspielen zustande, als Andreas Kriegenburg Kafkas «Prozess» radikal in die Vertikale setzte, ein Bühnenbild, um 90 Grad gekippt, in dem der verachtfachte Joseph K. sich durch sein...
Drei Männer joggen im Karree. Nach olympischem Übereifer sieht das nicht aus, eher nach dieser Sorte pflichtschuldiger Nachlässigkeit, die zu sehr viel früheren Zeiten dem Kirchgang vorbehalten war. Aber bitte, man joggt.
Man, das ist in diesem Fall Mann, der Scheitel schon schütter, doch die Bauchmuskeln straff, geschuldet hundert Sit-ups täglich. Sagt Mann....
Da das mit der romantischen Liebe schon immer eine Mogelpackung war, schickt Roland Schimmelpfennig drei Paare ins Rennen, deren libidinöser Seelenhaushalt mit ausgeglüht hinreichend umschrieben ist. Die besten Tage haben sie hinter sich, also versuchen sie ihre Serotoninbilanz mit Seitensprüngen aufzubessern. Sechs Menschen betrügen sich über Kreuz und steigen mit...
