Ein Herz für Unorte

Anna Mülter verabschiedet sich vom niedersächsischen Festival Theaterformen. Und geht mit der letzten Ausgabe in den Knast

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Unter Braunschweiger:innen gilt die Rennelbergstraße als «längste Straße der Stadt». Wer in die gerade mal 300 Meter lange Sackgasse einbiege, komme erst nach mehreren Jahren wieder raus – am Ende der Rennelbergstraße liegt ein Gefängnis, eröffnet 1885 und erst 2024 endgültig geschlossen. Die JVA Rennelberg war zuletzt eine Untersuchungshaftanstalt für bis zu 143 Häftlinge, zudem ist das Gelände auch ein historisch belasteter Ort – während der NS-Diktatur waren hier unter anderem Oppositionelle wie der spätere DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl inhaftiert.

In Zukunft soll das über 13.000 Quadratmeter große Grundstück, das sich mitten in einem Wohngebiet befindet, aufgewertet werden, die Stadt plant «Gastronomie, Kulturprojekte und Wohnungsbau». Bis es aber soweit ist, bespielt das Festival Theaterformen den Komplex, unter der Überschrift «No Prison» finden hier Performances, Konzerte, Installationen und Rundgänge statt, außerdem befindet sich in einem Verwaltungsgebäude das Festivalzentrum.

Über die Veranstaltungen in der Justizvollzugsanstalt sprechen die «Theaterformen» ein Publikum an, das nicht die klassische Festivalblase repräsentiert, sondern Braunschweiger:innen, für die ...

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Theater heute Oktober 2026
Rubrik: Festivals, Seite 26
von Falk Schreiber

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