DVD: In der Grauzone
Der schmutzig kleine Bruder der auch schon nicht sehr glamourösen Möbelpackerbranche ist die Zwangsräumung. Zusammen mit einem Trupp ähnlich grauer Gestalten ist Walter Scholl in diesem Job gelandet, der sich, wie David Nawraths Debütfilm «Atlas» bald schon zeigt, seinerseits meist in einer rechtlichen Grauzone bewegt. Denn hinter jeder Entmietung steckt ein finanzielles Interesse, hier in Frankfurt/Main auch das eines arabischen Clans, der Scholls Chef (Uwe Preuß) immer heftiger unter Druck setzt.
Es ist eine fast schon zu fahle, unwirtliche Männerwelt, die Nawrath am Beispiel von Walter porträtiert. Karge Wohnungen, triste Umkleiden, alleinstehende Kerle, für die die hanteltrainierte Muskelkraft das Einzige ist, worauf sie sich verlassen können. Wobei Walter, dem sein Alter und die Dauerbelastung zusetzen, auch diese Sicherheit zu verlieren droht. Bei einem Einsatz begegnet er seinem Sohn Jan, zu dem er schon, als der noch Kind war, den Kontakt abbrechen musste. Jetzt lebt Jan, der ihn gar nicht erkennt, den Gegenentwurf: ein Kleinfamilienidyll zwischen Bücherregalen im Altbau, das allerdings durch die Zwangsäumung vor dem Aus steht. Walter, der bisher stoisch alle ...
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Theater heute Oktober 2019
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Eva Behrendt
Die Marching Band marschiert. Der Trapezartistin Empress Stah glitzert ein Laserstrahl aus der Vulva. Der Stuttgarter Balletttänzer Louis Stiens macht ein paar neoklassische Figuren als glatthäutiges Objekt der Begierde. Und dann wummert der Soundtrack los, «Cut», dunkler Electroclash mit Trap-Elementen, aufgefrischt durch Bläsereinsätze. Und drängt die szenischen...
Irgendwo im Tschetschenien des Jahres 1995, irgendwo in der blinden Wut des Kriegs haben General Alexander Orlow und drei Mittäter ein Dorfmädchen brutal geschändet. Diese Vergewaltigung mit Todesfolge bildet die Kernszene in dem jüngsten Roman von Nino Haratischwili. Von hier aus wirft die georgisch-stämmige Autorin ihre Erzählung weit vor und zurück, in ein...
Beim Chemnitzer Wettbewerb für Nachwuchsdramatik machte in diesem Jahr eine Geschichte um Liebe mit Aliens das Rennen. «Rauschen. Oder: Wenn du nicht existierst, geh mir bitte aus dem Licht. Danke», so der komplette Titel, den Natalie Baudy sich für ihren Text ausgesucht hat und der über weite Strecken eher an eine Kurzgeschichte erinnert.
Im Mittelpunkt stehen...
