DVD: In der Grauzone
Der schmutzig kleine Bruder der auch schon nicht sehr glamourösen Möbelpackerbranche ist die Zwangsräumung. Zusammen mit einem Trupp ähnlich grauer Gestalten ist Walter Scholl in diesem Job gelandet, der sich, wie David Nawraths Debütfilm «Atlas» bald schon zeigt, seinerseits meist in einer rechtlichen Grauzone bewegt. Denn hinter jeder Entmietung steckt ein finanzielles Interesse, hier in Frankfurt/Main auch das eines arabischen Clans, der Scholls Chef (Uwe Preuß) immer heftiger unter Druck setzt.
Es ist eine fast schon zu fahle, unwirtliche Männerwelt, die Nawrath am Beispiel von Walter porträtiert. Karge Wohnungen, triste Umkleiden, alleinstehende Kerle, für die die hanteltrainierte Muskelkraft das Einzige ist, worauf sie sich verlassen können. Wobei Walter, dem sein Alter und die Dauerbelastung zusetzen, auch diese Sicherheit zu verlieren droht. Bei einem Einsatz begegnet er seinem Sohn Jan, zu dem er schon, als der noch Kind war, den Kontakt abbrechen musste. Jetzt lebt Jan, der ihn gar nicht erkennt, den Gegenentwurf: ein Kleinfamilienidyll zwischen Bücherregalen im Altbau, das allerdings durch die Zwangsäumung vor dem Aus steht. Walter, der bisher stoisch alle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2019
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Eva Behrendt
Von dieser Seite droht nichts Neues. Das Festival von Avignon in seiner 73. Ausgabe zeigt geradezu exemplarisch das Debakel einer arrivierten, institutionell etablierten, selbstgefälligen Linken in Frankreich. «Il faut réinventer la gauche», werden die soziologischen Revolutionäre um Didier Eribon, Edouard Louis, Geoffroy de Lagasnerie nicht müde zu rufen: Man muss...
Voyeurismus ist doch ganz was Feines. Schön im Dunkeln sitzen und Fehler suchen, während die Spieler*innen in Bochum auf die Bühne klettern und sich in langer Reihe vor dem roten Vorhang aufstellen. Man registriert jede ungelenke Bewegung, jeden unsicheren Blick, scannt jeden Körper, der vom durchtrainierten Ensemble-Standardmaß abweicht. Und schon sind wir mitten...
Die forsche junge PR-Managerin Lia (Gina Calinoiu) hat einen harten Job. Sie will dem Komponisten und Dirigenten Martin Mulde (Moritz Dürr) die nötige Öffentlichkeitsfitness antrainieren, damit der als Galionsfigur und künftiger Chef eines neu zu errichtenden Konzerthauses reüssieren kann. Statt allerdings aufrichtig zu verzweifeln am betagten Künstlergenie, dessen...
