DVD: In der Grauzone
Der schmutzig kleine Bruder der auch schon nicht sehr glamourösen Möbelpackerbranche ist die Zwangsräumung. Zusammen mit einem Trupp ähnlich grauer Gestalten ist Walter Scholl in diesem Job gelandet, der sich, wie David Nawraths Debütfilm «Atlas» bald schon zeigt, seinerseits meist in einer rechtlichen Grauzone bewegt. Denn hinter jeder Entmietung steckt ein finanzielles Interesse, hier in Frankfurt/Main auch das eines arabischen Clans, der Scholls Chef (Uwe Preuß) immer heftiger unter Druck setzt.
Es ist eine fast schon zu fahle, unwirtliche Männerwelt, die Nawrath am Beispiel von Walter porträtiert. Karge Wohnungen, triste Umkleiden, alleinstehende Kerle, für die die hanteltrainierte Muskelkraft das Einzige ist, worauf sie sich verlassen können. Wobei Walter, dem sein Alter und die Dauerbelastung zusetzen, auch diese Sicherheit zu verlieren droht. Bei einem Einsatz begegnet er seinem Sohn Jan, zu dem er schon, als der noch Kind war, den Kontakt abbrechen musste. Jetzt lebt Jan, der ihn gar nicht erkennt, den Gegenentwurf: ein Kleinfamilienidyll zwischen Bücherregalen im Altbau, das allerdings durch die Zwangsäumung vor dem Aus steht. Walter, der bisher stoisch alle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2019
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Eva Behrendt
Dieses Ende droht uns allen: Pflegestation, Zweibettzimmer. Michael Gerber (Lear) und Markwart Müller-Elmau (Gloster), die beiden an ihrem diktatorischen Starrsinn gescheiterten alten Männer, liegen stumm und apathisch im Nachthemd in ihren vollautomatischen Pflegebetten und machen gleichgültig demente Miene zu allem, was um sie herum geschieht. Offenbar...
Wie verändert die Präsenz der AfD das Handeln von Theater? Das ist im Kern die Frage, wenn man die Vorgänge aus Freiberg rund um eine kleine Buchvorstellung betrachtet, die am 28. März im Zuge der Veranstaltungsreihe «Dialog – Wir haben die Wahl 2019. Was ist zu tun» im dortigen Theater stattfinden sollte. Sollte. Denn auf Druck des Oberbürgermeisters der Stadt...
Im Februar vergab die Allianz bedrohter Berliner Atelierhäuser erstmalig den «Weak Art Award» – einen «Preis für herausragende Leistungen zur Schwächung der Kunst in Berlin». Leicht dürfte der vierköpfigen Fach-Jury ihre Entscheidung angesichts der aktuellen Immobilienmarktlage und der zahlreichen Nominierungen nicht gefallen sein. Doch schließlich einigte man sich...
