Dresden: Krieg und Trauma
Als das Licht im Zuschauerraum ausgeht, bleibt die Bühne konsequent dunkel im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden. Nach einer Weile werden menschliche Konturen erkennbar: Zwei Frauen und drei Männer, die mutmaßlich knöcheltief im Wasser hocken. Als sie ausdauernd versuchen, sich Zigaretten anzuzünden, sieht man im Licht des Feuerzeugs, dass sie nackt sind. Unschuldig also, jedenfalls vorerst – und vor allem: schutzlos ausgeliefert.
In dieses zweifellos zutreffende wie gleichermaßen naheliegende Bild übersetzt Mina Salehpour die Essenz von Erich Maria Remarques Antikriegsklassiker «Im Westen nichts Neues». Die Dresdner Hausregisseurin entnimmt dem Roman um den Schüler Paul Bäumer und seine Klassenkameraden, die sich – gerade 19-jährig – auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges wiederfinden, die eindrücklichsten Passagen und lässt sie in diesem schummrigen Ambiente fünfstimmig erzählen.
Bei Szenen wie dem Fronturlaub, der die Unwiederbringlichkeit des früheren Lebens umso deutlicher vor Augen führt, wird es zwar mal heller auf der Bühne, und außerdem tragen die Darstellerinnen und Darsteller zwischenzeitlich Uniformen. Im Wesentlichen aber bleibt die Düsternis ...
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Theater heute März 2020
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Christine Wahl
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