Dresden: Krieg und Trauma

nach Anna Seghers «Transit», nach Remarque «Im Westen nichts Neues»

Theater heute - Logo

Als das Licht im Zuschauerraum ausgeht, bleibt die Bühne konsequent dunkel im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden. Nach einer Weile werden menschliche Konturen erkennbar: Zwei Frauen und drei Männer, die mutmaßlich knöcheltief im Wasser hocken. Als sie ausdauernd versuchen, sich Zigaretten anzuzünden, sieht man im Licht des Feuerzeugs, dass sie nackt sind. Unschuldig also, jedenfalls vorerst – und vor allem: schutzlos ausgeliefert.

 

In dieses zweifellos zutreffende wie gleichermaßen naheliegende Bild übersetzt Mina Salehpour die Essenz von Erich Maria Remarques Antikriegsklassiker «Im Westen nichts Neues». Die Dresdner Hausregisseurin entnimmt dem Roman um den Schüler Paul Bäumer und seine Klassenkameraden, die sich – gerade 19-jährig – auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges wiederfinden, die eindrücklichsten Passagen und lässt sie in diesem schummrigen Ambiente fünfstimmig erzählen. 

Bei Szenen wie dem Fronturlaub, der die Unwiederbringlichkeit des früheren Lebens umso deutlicher vor Augen führt, wird es zwar mal heller auf der Bühne, und außerdem tragen die Darstellerinnen und Darsteller zwischenzeitlich Uniformen. Im Wesentlichen aber bleibt die Düsternis ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2020
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Christine Wahl

Weitere Beiträge
Das Wuchern der Referenzen

Europa löst sich auf – nicht nur heute. Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg schrieb Carl Sternheim seinen Roman über «Ressentiment, Hypokrisie und Hysterie des sich greisenhaft auflösenden Erdteils». Sein Titel ist der Name des moribunden Kontinents und zugleich der Hauptfigur: «Euro­pa». An seinem Ende wird die sozialistisch-feministisch kämpfende Heldin bei...

Fight me!

Es ist nicht wichtig, der Stärkere zu sein, sondern der Lebendige», heißt es in Brechts wildem Frühwerk «Im Dickicht der Städte» (uraufgeführt im Mai 1923 am Münchner Residenztheater), nachdem bereits zehn Runden lang ein Kampf ohne Grund und Gnade zwischen zwei Männern ausgetragen wurde, die nichts verbindet als eine selt­same Sucht, «Fühlung zu bekommen» mit sich...

Mülheim: Es geht um alles

Was für eine Saison, die an auf­re­genden, mutigen, wichtigen Theatertexten geradezu überquillt! Unter einigen Verlustqualen hat die Jury der Mülheimer Theatertage acht ausgewählt, in denen es um so Grundlegendes wie Frauen, Männer, Vögel, Familie, Deutschland, künstliche Intelligenz, Freiheit der Kunst und das Finanzamt geht: 

Sivan Ben Yishai «LIEBE/Eine...