Drei Tode

Sophia Al-Maria nach Bizet/Mérimée «Carmen» am Schauspielhaus Zürich

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Zum Schluss gab’s noch eine große Oper. Die Ausweitung der Sprechtheaterzone war für Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg in den vergangenen fünf Jahren Programm am Schauspielhaus Zürich – siehe auch das Gespräch im letztem Heft. Die Regisseurin und bildende Künstlerin Wu Tsang war dabei eine der federführenden Hauskünstler:innen. Ihre «Carmen» nun nach Georges Bizet und Prosper Mé-rimée vermischt noch einmal die Genres und Expertisen: Schauspiel, Tanz, Oper, Installation. Drei Carmens in roten Roben liegen eingangs in ihrem Blut am Bühnenboden.

Die Geschichte ist aus, bevor sie beginnt. Oder vielmehr: Sie läuft immer auf das Gleiche hinaus. Femizid, buchstäblich oder bildlich als Totschweigen.

Eine Historikerin (Perle Palombe) macht sich auf die Spuren einer Widerstandskämpferin im Spanischen Bürgerkrieg. «La Paloma roja» heißt diese mit Picasso-Anspielung, die rote Taube. Ihre akademische Vorgesetzte (Alicia Aumüller) pfeift sie zurück. Also forscht sie auf eigene Faust weiter und findet in den andalusischen Bergen den Ort, wo die Paloma erschossen wurde, trifft dabei auf den Geist der Zigarettendreherin Carmen, die hundert Jahre zuvor der eifersüchtige Don José ermordet ...

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Theater heute August/September 2024
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Andreas Klaeui

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