Do it Yourself: Die Aerosol­produzierer

Im Hamburger Schauspielhaus sind Pool­nudeln eine wichtige Probenhilfe

Einmal an diesem Vormittag Anfang Juni, einmal, es ist ein kurzer, unbedachter Augenblick, da fasst sie Tilman Strauß kurz an die Schulter. «Das ist das erste Mal, dass mir das passiert», erschreckt sich Karin Beier. Kurz ist sie irritiert, hält inne. Dann greift sie zu der kleinen Schachtel auf ihrem Regietisch, zupft ein Desinfektionstuch heraus und reinigt sich die Hände. Beier probt gerade Rainald Goetz’ neues Stück «Das Reich des Todes». Am 11. September soll am Hamburger Schauspielhaus die Uraufführung stattfinden.


Tilman Strauß spielt darin einen Gefangenen.

Jetzt setzt er seinen Monolog erneut an. Die Bühne – nur vereinzelt stehen ein paar weiße Tische und Stühle darauf – dreht sich, schemenhafte Schwarzweißprojektionen flackern über eine riesige Leinwand, im Hintergrund spielen fünf Live-Musiker*innen, und seitlich tanzen zitternd, zuckend drei Tänzer. Es sieht wuselig aus auf der Bühne, und doch ist es ein sehr klar geordnetes Gewusel. Mit ausreichend Abstand, fast einzelnen Rauminseln, zwischen allen Mitwirkenden.


Doch wo sind eigentlich die angekündigten Schwimmnudeln? «Wir benutzen die immer mal wieder, um sich an den nötigen Abstand zu er­in­nern», berichtet der ...

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Theater heute Juli 2020
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Katrin Ullmann