Django ist schwul

Das Festival Kinderstücke in Mülheim – eine Jury-Erfahrung

Theater heute - Logo

Kinder, heißt es ja gerne, sind das beste Publikum. Mein Sohn, der bald seinen fünften Geburtstag feiert, hat ihn noch, diesen unmittelbaren Ausdruck bar jeder bildungsbürgerlichen Publikumskonvention: Wenn ihn das Bühnengeschehen interessiert, folgt er ihm aufmerksam, stellt viele Fragen und ruft Kommentare in den Raum. Wenn es ihn langweilt, schaut er sich sehr schnell nach einer anregenderen Beschäftigung um, versucht, andere Zuschauer ins Gespräch zu verwickeln oder macht es sich ausgestreckt über drei Plätze gemütlich.

Dieses herrlich zwanglos agierende Kind hätte mich eigentlich in meiner Eigenschaft als eine von drei Juroren der Mülheimer «Kinderstücke» in alle fünf Aufführungen begleiten sollen, als eine Art menschlicher Lackmustest.

Schon nach der zweiten Aufführung habe ich kapituliert. Zum einen, weil vier der fünf eingeladenen Stücke sich an Kinder ab 8 oder älter richteten – eine Altersangabe, an die sich zwar niemand halten muss, die aber erfahrungsgemäß ziemlich richtig liegt. Zum anderen, weil natürlich auch in einer Jury für Kinderstücke gilt: Am Ende, nach den ganzen Argumenten, zählt der persönliche Geschmack, nicht der des Publikums – und am allerwenigsten das, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2015
Rubrik: Magazin: Kinderstücke, Seite 60
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Because he can

Natürlich ist die schwedische Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter irrsinnig berühmt. Also noch viel berühmter als der schwedische ESC-Sieger. Und natürlich hat Christoph Marthaler eine seit Jahrzehnten gut gefüllte Zaubertrickkiste, aus der man immer mal wieder schnell ein paar Sächelchen zu einem Abend zusammenklauben kann. Und dann kann man ein paar...

What a Feeling

Eine Zeitlang kursierte ein verwackeltes Amateurvideo im Netz, auf dem zu sehen ist, wie die Choreografin Doris Uhlich und der Brut-Co-Intendant Haiko Pfost im Duett die Nummer «What a Feeling» aus dem Tanzfilm «Flashdance» performen. Das im Rahmen einer offenbar ausgelassenen Party entstandene Bilddokument enthält in komprimierter Form, was das 2007 eröffnete...

Im Rollstuhl durchs Zentrum

 Wer im letzten Jahr das Downtown Contemporary Arts Festival (D-CAF) besuchte, das größte unabhängige und spartenübergreifende Festival Kairos, musste sich jeden Abend mühsam an Billigläden und von schleichendem Verfall geprägten Häusern des Fin-de-siècle vorbei den Weg zu den Veranstaltungsorten im Zentrum der Millionenstadt bahnen. Auf den Bürgersteigen am Talaat...