Diese Küche gehört mir
In ihrer Version des «Don Carlos» berufen Felicitas Brucker und Arved Schultze sich auf ein Regiebuch, das Friedrich Schiller 1787 für den damaligen Direktor des Theaters in Riga erstellt hatte. In der baltischen Metropole stand nach Hamburg und Leipzig die Drittinszenierung des europäischen Königsdramas auf dem Spielplan. Im Jahr darauf folgten Frankfurt, Mannheim und Berlin. Die Rigaer Fassung jedoch, so Brucker/Schultze im Vorwort zu ihrer Textfassung, sei bemerkenswert, weil Schiller den Auftritt des Großinquisitors am Ende des Textes gestrichen habe.
In der Tat – schließlich fällt mit diesem Strich nicht nur eine Figur weg, sondern auch der ideologische Überbau, der das imperiale und koloniale Morden eines Gewaltherrschers wie Philipp II. legitimierte: die katholische Kirche. Der König steht, wenn man so will, plötzlich nackt da und ist alleine verantwortlich.
In der szenischen Umsetzung geht Regisseurin Felicitas Brucker allerdings noch einen Schritt weiter und verzichtet aus Gründen der Übersichtlichkeit auf einen Gutteil der überbordenden Brief-Intrige am spanischen Hof, während sie die diktatorische Aura des Gewaltherrschers Phillip II. sowie die große europäische ...
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Theater heute Mai 2024
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Jürgen Berger
Franz Wille Eins der großen Ereignisse dieser Spielzeit ist die «Anthropolis»-Serie des Hamburger Schauspielhauses in der Regie von Karin Beier: fünf Stücke, teils Übersetzungen, teils neu geschrieben nach mythischen oder antiken Vorlagen um die Stadt Theben. Insgesamt ein riesiges Projekt, selbst für die Verhältnisse eines großen deutschsprachigen Stadttheaters....
Ich war ja neulich am Meer. An der Nordsee, auf Amrum. Sieben Tage lang. Ich hatte mir eine kleine Wohnung gemietet, von der aus ich direkt aufs Wasser gucken konnte und schrieb. Und las. Aß. Trank. Und schlief. Und ich werde es wieder tun.
Schreiben ist Arbeit. Aber da ich mich weder um meine Mails noch um die Bürokratie kümmerte, keine Telefonate führte, hier...
Das «Dritte Reich» ist und bleibt einer der größten Relevanzmarker der Gegenwartsliteratur. Da kann ein Autor wie Karl Ove Knausgård uns durch sein ganzes Leben geleiten, geprägt von Familientristesse mit drei Kindern, Leiden am autoritären Vater, Leiden an den Ansprüchen der Ehefrau, Leiden an zu wenig Zeit für Schriftstellerei, alles ein bisschen bürgerlich...
