Die Zeit wartet nicht
Mangelnde Voraussicht ist Lars Werner nicht vorzuwerfen. Sein schon vor einem Jahr beim Heidelberger Stückemarkt vorgestelltes Stück «Die ersten hundert Tage» spielt durch, was in Deutschland passiert, wenn eine extreme Rechte an die Regierung kommt. Zuallererst – siehe der Stücktitel – geht es gegen LGBTQ+, Diversity, Migranten, Linke, die einschlägig Verdächtigen. Studiengänge werden geschlossen, Lehrverbote ausgesprochen, eine «verschärfte Strafverfolgung» soll schon Listen für mögliche Verhaftungen erstellen, Demonstrationsverbote greifen, und die Panik wächst.
Was gestern noch undenkbar schien, ist morgen Realität. Oder doch – noch – nicht? Unsicherheit ist die Taktik der Disruption.
Jedenfalls Grund genug für drei alte Studienfreund:innen Mitte 30, vorerst ins nächstgelegene Exil nach Tschechien auszuweichen, um in Brno die weitere Entwicklung abzuwarten: Roya, PoC und erfolgreiche Politikjournalistin, Lou, nonbinär, die gerade ihren Doktor in Gender Studies machen will, und Marvin, vermutlich schwul, Disponent am Theater, der mehr aus Solidarität und um der alten Freund:innen willen mitkommt denn aus echter Bedrohung. Zurück in Frankfurt/M. bleibt der weiße Deutsche Silvio, ...
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Theater heute Mai 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Franz Wille
Theater heute Das Theatertreffen ist traditionell ein deutschsprachiges und sehr heimatverbundenes Festival: das Hauptprogramm bilden die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die einzige Ausnahme ist das «Internationale Forum junger Bühnenangehöriger», vor 60 Jahren gegründet als «Forum junger Bühnenangehöriger» und...
Eigentlich hätten sie einen Dokumentarfilm machen wollen. Über ihre persönliche Begegnung mit einem eurasischen Braunbären. Doch nach ersten Interessenbekundungen sei Netflix dann abgesprungen: zu unspektakulär das Ganze. Und die Sache mit den O-Tönen, dem Bärengrollen, erwies sich – so gesteht der Musiker Thomas Leboeg – als eher schwierig. Der zweite Versuch, die...
Was kann weg, und was soll bleiben? Die Urfragen des Ausmistens, vielleicht auch der Menschheit, soll die partizipierende Zuschauerin jetzt beantworten. Eine Mitarbeiterin des fiktiven Digitalkonzerns IRL (Imaginary Reality Landscapes) bittet mich über einen Screen, mir verlassene digitale Räume und Landschaften anzuschauen und zu entscheiden, ob diese gelöscht...
