Die Zeit wartet nicht

Neue Stücke für alte Probleme: Lars Werners «Die ersten hundert Tage», Marius von Mayenburgs «Ex», Svenja Viola Bungartens «Der Liebling» und Tena Stivicics «Die Verstreuten» zwischen rechter Machtergreifung, ehelicher Zimmerschlacht, feministischem Turbokapitalismus und Europa-Dämmerung in Göttingen und Berlin

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Mangelnde Voraussicht ist Lars Werner nicht vorzuwerfen. Sein schon vor einem Jahr beim Heidelberger Stückemarkt vorgestelltes Stück «Die ersten hundert Tage» spielt durch, was in Deutschland passiert, wenn eine extreme Rechte an die Regierung kommt. Zuallererst – siehe der Stücktitel – geht es gegen LGBTQ+, Diversity, Migranten, Linke, die einschlägig Verdächtigen. Studiengänge werden geschlossen, Lehrverbote ausgesprochen, eine «verschärfte Strafverfolgung» soll schon Listen für mögliche Verhaftungen erstellen, Demonstrationsverbote greifen, und die Panik wächst.

Was gestern noch undenkbar schien, ist morgen Realität. Oder doch – noch – nicht? Unsicherheit ist die Taktik der Disruption.

Jedenfalls Grund genug für drei alte Studienfreund:innen Mitte 30, vorerst ins nächstgelegene Exil nach Tschechien auszuweichen, um in Brno die weitere Entwicklung abzuwarten: Roya, PoC und erfolgreiche Politikjournalistin, Lou, nonbinär, die gerade ihren Doktor in Gender Studies machen will, und Marvin, vermutlich schwul, Disponent am Theater, der mehr aus Solidarität und um der alten Freund:innen willen mitkommt denn aus echter Bedrohung. Zurück in Frankfurt/M. bleibt der weiße Deutsche Silvio, ...

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Theater heute Mai 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Franz Wille

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