Die Welt und ihre dramatische Haltigkeit

Das Programm der Theatertage sagt Nein zur Nabelschau

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Claus Peymann, Chef des Berliner Ensembles und zuverlässiger Hauptstadt-Entertainer, analysierte vor ein paar Jahren in einem Zeitungsinterview sehr unterhaltsam die deutschsprachige Gegenwartsdramatik: «Die reine Flucht ins Private!», stöhnte der 77-Jährige weitgehend datenungestützt auf, um anschließend messerscharf zu konkretisieren: «Es ist immer das Problem, das die Autoren mit ihrer Großmutter haben oder dem Papi oder ihrem Pimmel.

» Interessanterweise hat sich der Peymannsche Befund über die Jahre zu einer stabilen (fern-)diagnostischen Größe gemausert: Wer zwischen den 1990ern und 2010ern je eine Diskussionsveranstaltung zum Status quo der Bühnendichtung besucht hat, kennt ihn unter dem hübschen Synonym der «Nabelschau» und/oder «mangelnden Welthaltigkeit».
Durchforstet man – die Peymann-Brille fest vor Augen – die 98 uraufgeführten deutschsprachigen Stücke, die die Auswahljury für die 40. Mül­heimer Theatertage anno 2015 las und sichtete, fällt das Resultat indes ernüchternd aus: «Der Pimmel» als solcher ist dramatisch praktisch inexistent. Dafür hätte die Jury, rein quantitativ betrachtet, ausgedehnte «Theatertage» zur europäischen Flüchtlingspolitik kuratieren können – im ...

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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Mülheimer Theatertage, Seite 46
von Christine Wahl

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