Die Unmöglichkeit einer Gruppe
Ein sonniger Samstagabend im Juni: Friedlich liegt es da, das Occupy-Camp zu Füßen der Frankfurter Banktürme. Um den Zeltplatz herum: ein «Zaun» aus Plakaten zwischen Wut und Enttäuschung. Dazwischen die Ankündigung eines Kulturwochenendes. An einem Zelt, deutlich kleiner geschrieben, eine Liste: «Wir brauchen: Zelte, Schlafsäcke, veganes Essen.» Zwischen den Zelten: ein paar unaufgeregt zusammensitzende Leute.
Das wäre eine perfekte Szenerie für einen pointierten Dialog aus Martin Heckmanns neuem Stück «Wir sind viele und reiten ohne Pferd»: Da kreuzt der unzufriedene Künstler Knax auf der Flucht vor sich selbst bei einer antikapitalistischen Aktionsgruppe auf und kriegt auf die Frage «Seid ihr die 99 Prozent?» die Antwort «Wir sind noch nicht vollzählig.» Worauf er kontert: «Das sieht man.»
Dass die 99-Prozent-Bewegung je vollzählig sein wird, darf man trotz wohlgemeinter Empörungs-Aufrufe wie dem Büchlein «Wir sind viele» des SZ-Autors Heribert Prantl wohl bezweifeln. Ebenso, dass sie jemals mit 99-prozentiger Mehrheit entscheidet, wo genau sie hin will – was sie freilich nicht von anderen Aufstandsbewegungen unterscheidet, nicht mal von erfolgreichen wie dem Umsturz einst in ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 31
von Andreas Jüttner
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